Dienstag, 16. Oktober 2012

Friedensnobelpreis für die EU?

Artikel von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau, 15.10.2012

EU und Flüchtlinge: Gebt den Preis zurück

"... Es ginge darum, die Einreise der Serben und Mazedonier als das zu erkennen, was sie ist: Ein Zeichen, dass dieses Europa, will es sich den Friedensnobelpreis wenigstens nachträglich verdienen, nun endlich beginnen müsste, den Kampf für „Frieden, Demokratie, Versöhnung und Menschenrechte" neu aufzunehmen.
Das hieße heute, für die untragbaren Wohlstands-Unterschiede auf dem Kontinent einen fairen Ausgleich zu suchen - also das Gegenteil des Merkelschen National-Egoismus, der andere noch tiefer in die Krise treibt (und uns, wir merken es nur noch nicht, mit). Es hieße, die humanitären Werte mal im Mittelmeer auszuprobieren, wo das friedenspreis-gekrönte Europa Tausenden Flüchtlingen buchstäblich beim Ertrinken zusieht, weil es gegenüber den Opfern von Krieg und Hunger nichts anderes kennt als Abschottung und Fremdenangst. Es hieße, den Nachbaren auf dem eigenen Kontinent bei der Integration ihrer Minderheiten zu helfen - und dabei klarzumachen, dass Diskriminierung und Ausgrenzung eines künftigen Mitglieds nicht würdig sind.

Wäre EU-Europa zur Umkehr in der Lage - es nähme den Friedensnobelpreis sofort zum Anlass, die Politik von Abschottung und Ressentiment durch eine humanitäre Flüchtlingspolitik und einen glaubhaften Ansatz zur Armutsbekämpfung zu ersetzen. Wirklich „groß" wäre ein Europa, das sich verpflichtete, seine Politik in spätestens fünf Jahren den vom Nobelkomitee gepriesenen Werten auch wirklich anzupassen - und das die Annahme des Preises bis dahin verweigerte.
Eine Utopie? Ja. Und daran sieht man, wie schlecht es steht um die Friedensmacht Europa."

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