Montag, 23. April 2012

SoliLa in Wien

Studierende, Aktivist*innen und Landlose beginnen mit dem Aufbau einer solidarischen Stadtlandwirtschaft

Seit 17. April, Tag des kleinbäuerlichen Widerstands, besetzen ca. 100 Landlose, Studierende und Aktivist*innen den ehemaligen Boku-Versuchsgarten in Wien 21, Gerasdorfer Straße 105, Jedlersdorf.

„Hier soll fruchtbarstes Land mit einer Wohnanlage verbaut werden, obwohl 80.000 Wohnungen und 30 % der Büroflächen in Wien leer stehen. Stattdessen brauchen wir mehr Freiräume und lokale solidarische Landwirtschaft“, so Martin, Boku-Student und Aktivist.

Die von den Besetzer*innen gegründete Initiative „Solidarisch Landwirtschaften!“, kurz SoliLa!, kritisiert dass es gerade in Zeiten von „peak oil“ und „peak soil“ absurd ist, fruchtbares Land immer weiter zu verbauen. Diverse Studien auch von der Universität für Bodenkultur belegen das. Die SoliLa! wird gesunde und nachhaltige Lebensmittel aus einer lokalen und solidarischen Landwirtschaft produzieren. Die vielen beteiligten Menschen arbeiten seit 17.4. gemeinsam an der nachhaltigen Kultivierung des Bodens und laden alle Interessent*innen und vor allem die Nachbar*innen dazu ein, sich daran zu beteiligen.

„Eine gesellschaftliche und sozial-ökologisch gerechte Wende ist dringend notwendig und deshalb haben wir mit dem Aufbau einer ersten Initiative in Wien begonnen. Wir wollen hier und jetzt eine solidarische Stadtlandwirtschaft verwirklichen, welche gerade jetzt eine wichtige und zukunftswürdige Antwort auf die soziale und ökologische Krise ist.“ so eine Gärtnerin der Initiative.

Allein in Wien sind zwischen 1997 und 2003 2.420.000 m² Grünflächen verbaut worden, mit steigender Tendenz. Dabei handelte es sich großteils und landwirtschaftlich genutztes Land. Jeden Tag werden 15 ha Land in Österreich durch Bautätigkeit oder Verkehr gefressen. Damit geht permanent fruchtbares Land unwiederbringlich verloren, denn die Versiegelung der Böden ist nur schwer rückgängig zu machen. Gleichzeitig werden immer mehr Futter- und Lebensmittel, sowie Agrartreibstoffe und natürliche Ressourcen aus aller Welt importiert, was Land- und Ressourcenkonflikte rund um den Globus verschärft. Deshalb verstehen wir uns als Teil einer globalen Bewegung, die am 17.4. weltweit über Aktionen und Proteste auf sich aufmerksam gemacht hat.

Die Boku hat die Flächen bereits aufgegeben und ist dabei, diese an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Verwalterin des öffentlichen Gemeinguts zurückzugeben, welche nun den Großgarten verbauen will. Eine landlose Gärtnerin kritisiert: „Es ist ungerecht, wenn die BIG nun einfach die Verbauung einleitet. Dieses wertvolle Land, ist öffentliches Gemeingut. Es braucht demokratische Entscheidungen darüber, was mit dieser Fläche passieren soll. Die unzähligen Intiativen, Nachbar*innen und Interessent*innen wurden in die bisherigen Pläne nicht einbezogen. Doch werden wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass dieses Land der nachhaltigen und solidarischen landwirtschaftlichen Nutzung erhalten bleibt.“

SoliLa! hat deshalb heute eine Unterstützungserklärung veröffentlicht, in der alle Menschen dazu aufgerufen werden, diese zu unterzeichnen.

„Dass die Boku, die sich als ‘Universität des Lebens’ bezeichnet, ohne weiteres diese Verbauungspläne mitträgt, kann ich nicht verstehen. Aber wir lassen uns unsere Zukunft nicht verbauen“, meint abschließend Linda, Landlose aus Wien.


Blog zu den Aktionen rund um den 17. April


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