Donnerstag, 16. Februar 2012

Vorschlag für Alternativdurchsagen

Auf der Homepage der Bettellobby Wien findet man einen Vorschlag für einen offenen Brief an die Wiener Linien:

Sehr geehrte Damen und Herren,

derzeit höre ich als Nutzerin des öffentlichen Verkehrs wieder verstärkt die Durchsage: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Betteln und Hausieren in allen U-Bahn Anlagen verboten ist.“

Ich empfinde diese Durchsage als abstoßend.

Zum Einen: Betteln und Hausieren hat es immer gegeben, gibt es heute und wird es auch weiter geben, wenn die gesellschaftlichen Gegebenheiten derart sind, dass Chancen, Einkommen und Vermögen sehr ungleich verteilt sind. Vielleicht wußten Sie nicht, dass die Steuergesetzgebung in Österreich eine der reichenfreundlichsten ganz Europas ist und damit aktiv Vermögen von unten nach oben umverteilt.

In diesem Zusammenhang könnte man es als Innovativ Ihrerseits ansehen, wenn Sie eine Durchsage starten würden, die sich dieses Themas annimmt. Etwa: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass das offensive Zurschaustellen von Statussymbolen und Reichtumszeichen in allen U-Bahn Anlagen verboten ist.“
Des Weiteren: Ich bin erwachsen und mündig. Ich kann und will selbst entscheiden, ob ich einer Person, die mich um Kleingeld fragt, etwas gebe und mich damit – in kleinem Ausmaß – an einer Umverteilung in die andere Richtung beteilige. Ich ersuche Sie daher, diese Entscheidung nicht für mich zu treffen und das Verbot aufzuheben. Trauen Sie den Nutzer_innen der Wiener Linien Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit zu!

Und schließlich: Mit dem häufigen Durchsagen des Verbotes unterziehen Sie die Nutzer_innen einer Gehirnwäsche und forcieren den Ausschluß von Menschen mit geringem /keinem Einkommen und deren Art, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Damit verbinden Sie sich mit gesellschaftlicher Entsolidarisierung und Abschottungspolitik. Diese Werte werden uns nicht in eine lebenswerte Zukunft tragen!

Ich ersuche Sie daher, die derzeitige Durchsage wieder einzustellen und freue mich, wenn Sie meinen Vorschlag für eine Alternativdurchsage aufnehmen!

mfg,

Mail an post@wienerlinien.at sowie fahrgastbeirat@wienerlinien.at schicken (cc oder bc auch an bettellobbywien@gmx.at) und abwarte auf die nächste Durchsage ;)

Sunnivah_

1 Kommentar:

  1. gute Idee, so eine Durchsage hab ich noch nie gehört.. krass.. Mail gerade abgeschickt.

    Ein Verbot in öffentlichen Verkehrsmitteln unterstützt die Ansicht, um Kleingeld gebeten zu werden sei lästig und man wolle davon "verschont" bleiben. Es sollte die Menschen nicht stören, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Das kommt so rüber, als seien Ubahnen usw ein "sicherer Hafen" für Wohlhabende wo man nicht "angepöbelt" wird.. was soll das denn??

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