Sonntag, 5. Februar 2012

Teure Billigbananen

Bananen billiger als heimisches Obst: Wie kann das nur funktionieren? Wie eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam ergab, müssen die PlantagenarbeiterInnen für den Billigpreis teuer bezahlen – mit ihrer Gesundheit. In Ecuador zum Beispiel. Trotz entgegenstehender Rechtsregeln werden die Plantagen mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien besprüht, während dort gearbeitet wird. Die Bezahlung ist „untragbar und ausbeuterisch“, so das Resumee der Studie.

(Quelle: Südwind-Magazin, welt kurzmeldungen)

Hier der Bericht über die Studie auf oxfam.de:

Für die Oxfam-Studie „Bittere Bananen“ wurden 117 ArbeiterInnen in Ecuador befragt, die auf Plantagen und in der Verpackung der drei Bananen-Produzenten Noboa, Dole und Reybanpac sowie für deren Zulieferer arbeiten. Die Studie belegt untragbare Arbeitsbedingungen wie Hungerlöhne und Pestizidbelastung. Zugleich wird dargestellt, dass deutsche Supermarktketten durch ihre Preisdrückerei für diese Verletzungen der Arbeitsrechte mitverantwortlich sind. Die Studie basiert auf der von Oxfam Deutschland in Auftrag gegebenen Untersuchung durch die unabhängige ecuadorianische Forschungseinrichtung zu Agrarfragen SIPAE (Sistema de Investigación de la Problemática Agraria de Ecuador).


Die Studie "Bittere Bananen" kann ebenfalls auf der oxfam.de Seite als PDF-Datei heruntergeladen werden. Hier ein paar Auszüge aus den Interviews:


„Ich arbeite zusätzlich als Bauarbeiter, um ein bisschen mehr zu verdienen, damit das Geld zum Leben reicht“, antwortet ein Plantagenarbeiter auf die Frage, ob er mit seinem Gehalt auskomme.

Ein Arbeiter auf den Plantagen von Noboa: „Die Flugzeuge kommen ohne Vorwarnung, wenn wir auf den Feldern arbeiten. Wir kriegen die Chemikalien ab und können uns nur mit unseren Hemden und Bananenblättern schützen. Ab und zu kommen die Flugzeuge auch, wenn wir in der Kantine sind.“

So erklärt eine Bananenarbeiterin und Anwohnerin: „Ich möchte über die Umweltverschmutz ung durch den Pestizid-Einsatz sprechen, dadurch habe ich Tiere verloren, zum Beispiel Schweine und Hühner. Das Wasser in unseren Wassertanks wird verseucht. Die Flugzeuge fliegen zu tief über Häuser und Schulen. Sie warnen uns nicht vor, und die Wäsche, die auf der Leine hängt, wird verschmutzt; alles wird besprüht.“

„Es gibt hier Kinder, zwischen acht und elf Jahre alt, die sie arbeiten lassen, aber wenn Besucher kommen, schicken sie sie weg. Die Kinder selbst fragen nach Arbeit, weil sie Geld für die Schule brauchen oder weil ihre Eltern das Geld brauchen. Zum Beispiel haben in Pueblo Viejo diese Woche neun Kinder nach Arbeit gefragt. Sie zahlen ihnen nur 8,50 us-Dollar für einen ganzen Tag Arbeit auf dem Feld.“

Was ist zu tun?

- Oxfam ruft die Unter nehmen auf, ihre Einkaufspolitik zu ändern, um ihren Lieferanten die Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Insbesondere sollten sie Anreizsysteme schaffen, die solche Produzenten und Lieferanten belohnen, die soziale und ökologische Mindeststandards einhalten.

- Oxfam fordert die Unter nehmen auf, solche Initiativen zur sozialen Selbstverpflichtung ins Leben zu rufen, die Arbeitnehmer/innen angemessen beteiligen, die gesamte Lieferkette mit einbeziehen und angemessene Einkaufspraktiken gegenüber Lieferanten vorschreiben. Solche Initiativen sollten gesamte Wirtschaftsbereiche umfassen.

- Oxfam ruft die Bundesregierung auf, nach Abschluss der Untersuchung des Lebensmitteleinzelhandels geeignete Maßnahmen zur Verhinderung unfairer Einkaufspraktiken zu ergreifen.

- Oxfam fordert die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass deutsche Unternehmen Menschen- und Arbeitsrechte im eigenen Unternehmen und in ihrer Lieferkette einhalten.

Unternehmen gesetzlich zu verpflichten, ihre sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen sowie ihre Unternehmensstruktur und Lieferkette offenzulegen.

sich im Rahmen des laufenden EU-Prozesses zur Einführung gesetzlicher Offenlegungspflichten für Unternehmen zu sozialen und ökologischen Aspekten ihrer Geschäftstätigkeit für eine Regelung einzusetzen, die klare Vorgaben macht und auch die Lieferanten mit einbezieht.

- Oxfam fordert VerbraucherInnen auf, darauf zu bestehen, dass Unternehmen menschenwürdige Arbeitsbedingungen intern und bei ihren Lieferanten durchsetzen.

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Oxfam-Studie "Endstation Ladentheke"

Auf der Homepage des Südwind-Magazins ist weiter zu lesen:

Die befragten Exporteure schieben die Schuld an dieser Situation den Handelsketten zu, in Deutschland Aldi, Rewe, Lidl u.a.. „Der Preis unterliegt nicht den Gesetzen des Marktes“, sagte ein Exporteur, „sondern den macht Aldi.“ Die kleineren Bananenproduzenten können bei diesem Preisdruck nicht mithalten.

„Spiegel Online“ konfrontierte die Unternehmen mit den Vorwürfen – alle antworteten ausweichend. Aldi etwa: „Grundsätzlich setzen wir beim Bananeneinkauf auf faire Einkaufspraktiken.“

(Foto: DPA)

Bericht auf "Spiegel Online"

Sunnivah_

Kommentare:

  1. "- Oxfam fordert VerbraucherInnen auf, darauf zu bestehen, dass Unternehmen menschenwürdige Arbeitsbedingungen intern und bei ihren Lieferanten durchsetzen."

    ich hätts gut gefunden, wenn oxfam auch konkret gesagt hätte, dass man lieber fair trade oder zumindest biobananen kaufen sollte, fair trade bananen gibts zwar glaub ich nur bei lidl, aber immerhin. und wenn man bio kauft werden die arbeiter zumindest nicht so mit pestiziden zugecshüttet und die umwelt verseucht.

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  2. Natürlich ist es besser fair trade Bananen zu kaufen, die am Besten auch noch bio sind (bzw. kann man auch manchmal ganz darauf verzichten und nicht jeden Tag Bananen essen). Aber es soll schon auch eine Forderung an die Unternehmen damit verbunden sein. Somit bleibt man nicht nur KonsumentIn sondern zeigt auch auf, dass man sein Recht als BürgerIn wahrnimmt. Beides gehört zusammen!

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