Sonntag, 12. Februar 2012

Fair Exploited

In der Sendung Weltjournal kam Anfang Jänner ein sehenswerter Beitrag zum Thema "Fair Trade: Das Geschäft mit dem guten Gewissen." Sobald wir das Fair Trade Siegel auf Produkten sehen, heißt das noch lange nicht, dass man sich als KonsumentIn somit zurücklehnen kann und darauf vertrauen darf. Eine ständige kritische Betrachtung ist notwendig.



"Der faire Handel ist bisweilen eine spürbare Hilfe für kleine Bauern. In vielen Fällen merken sie aber auch nichts davon. Für die Händler hingegen ist Fairtrade stets ein profitables Geschäft." Eine Reportage von Patrick A. Hafner

Stellungnahme von zotter Schokolade

Stellungnahme des Vereins Weltladen


Stellungnahme von Hartwig Kriner (Fair Trade Österreich):

Es stimmt sich, wie es in dieser Stellungnahme heißt, dass man in dem Bericht des Weltjournals auch darüber erzählen hätte können,
"dass nur die Fairtrade-Farm ihre Tore für das Kamerateam geöffnet hat, er (der Redakteur, Anm.) völlig freien Zugang hatte und ohne jede Einschränkung mit ArbeiterInnen sprechen konnte. Mehr Transparenz geht nicht. Die Tore konventioneller Farmen blieben verschlossen. Er hätte auch erwähnen können, dass die Farm erst seit kurzem Fairtrade-zertifiziert ist (weshalb naturgemäß noch keine großen Projekte realisiert werden konnten) und die Bezahlung von Überstunden in diesem Teil der Welt keine Selbstverständlichkeit darstellt, genauso wenig wie das Mittagessen für die ArbeiterInnen, sowie der erweiterte Mutterschutz." (Hartwig Kriner)

Trotzdem dürfen die negative Punkte nicht vergessen werden und dass es die gibt kann nicht abgestritten werden. Denn auch der Fair Trade Handel existiert im herrschenden Kapitalismus und nicht in einem abgeschotteten System.

Adrian Wieder, der Geschäftsführer von Gabana meint dazu: "Für mich ist das das Selbe wie im Biobereich: Man hat ein System, das ausgerichtet ist für den grundsätzlich ehrlichen Gegenpart und da verschärft man es dann auch. Man macht es dem manchmal unmöglich den Papierkram noch zu erledigen, aber man ist eigentlich nicht gerüstet, für die wirklich Kriminellen. Und man muss damit rechnen, dass, wenn man mehr zahlt für ein Produkt und einmal im Jahr vorbeigeht, dann muss man einfach damit rechnen, dass man damit Leute anzieht, die nicht immer perfekt (…)"

In der Sendung werden auch Alternativen aufgezeigt:

Der Österreicher Roland Spendlingwimmer ist Gründungsmitglied der Dorfgemeinschaft Longo Mai. Der Kaffeeverband Finca Sonador vertreibt sein Kaffebohnen ohne Zwischenhändler. Ein Abnehemer ist Café Libertad in Deutschland.

"Ein Label hätte für uns keinen Sinn gemacht, weil die Kosten sehr hoch sind: etwa 3000 Dollar für die Zertifizierung (…) Also wir verteidigen sehr den Vertrieb in überschaubaren Kreisen, d.h. dass wir keine Superstrukturen haben wollen und deswegen auch sehr kritisch sind gegenüber den Fair Tratte Produkten in den großen Supermarktketten und mit einem großen publizierteren Aufwand." (Roland Spendlingwimmer)

In Ecuador gibt es das Projekt "Pakta Mintalay" (Kichwa für „Fairer Handel“). Es gibt einen eigenen Vertrieb und es werden selbst hergestellte Produkte verkauft. Nur der Überschuss landes auf dem Internationalen Markt.

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Auf dem Blog von Kathrin Hartmann (Ende der Märchenstunde), die selbst zwei Redebeiträge in der Sendung hat, sind ebenfalls ein paar Kommentare dazu zu lesen. Ihre Hauptthese: Es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Weltwirtschaftssytem. Denn unsere Konsumgesellschaft ist ohne Ausbeutung und Armut schlicht nicht denkbar.

Hier noch ein interessanter Artikel ebenfalls passend zu Thema.

Sunnivah_


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