Sonntag, 19. Februar 2012

EU-Freihandelsvertrag bedroht Regenwälder

Unterschriftenaktion von "Rettete den Regenwald":

Eigentlich sollte das Freihandels-abkommen zwischen der Europäischen Union und der Andengemeinschaft entstehen. Von den ursprünglich fünf Ländern sind allerdings nur noch Peru und Kolumbien übrig geblieben. Venezuela, Bolivien und Ecuador betrachteten die Forderungen der EU als bedrohlich, vor allem für die eigene Landwirtschaft. Gegen die hochsubventionierten und daher billigen Agrarprodukte aus der EU ist die Landwirtschaft der Andenländer kaum konkurrenzfähig.

Das geplante Freihandelsabkommen zielt auf einen Umbau der landwirtschaftlichen Struktur in Kolumbien und Peru ab. Während die Kleinbauern durch Dumpingprodukte aus Europa in den Ruin getrieben werden, wird die Agroindustrie ausgebaut. Vor allem die Milchbauern der beiden südamerikanischen Staaten fürchten um ihre Zukunft. Das Abkommen verlangt von beiden Ländern die Öffnung des Milchmarktes, vor allem für billiges Milchpulver aus der EU. In Kamerun hatte dieses Milchdumping zur Folge, dass Kleinbauern pleite gingen und die Armut weiter anstieg (siehe Link). Auch Kolumbien und Peru würden in Zukunft abhängiger von Nahrungsmittelimporten aus Europa sein. Auf der anderen Seite sollen die Zölle auf Palmöl aus Kolumbien und Peru fallen, damit die EU günstig Agrotreibstoffe importieren kann.

Kolumbien ist mit 360.000 Hektar Anbaufläche der größte Palmölproduzent Südamerikas. Durch die ständig steigende Nachfrage nach Palmöl in Europa wird die Produktion ohne Rücksicht auf Mensch und Natur ausgeweitet. Rettet den Regenwald dokumentierte einen exemplarischen Fall, wo Kleinbauern durch den Konzern Daabon von ihrem Land vertrieben wurden. Auch in Peru rückt die Palmölfront weiter vor. Bisher spielte das Land auf dem Palmöl-Weltmarkt keine große Rolle. Das kann sich aber ändern, wenn Zölle in Europa für peruanisches Palmöl wegfallen. Im Regenwald Report 1/2011 berichteten wir, wie bereits jetzt tausende Hektar Regenwald in der Region San Martin für Plantagen zerstört werden. In den Schubladen des peruanischen Landwirtschaftsministeriums liegen bereits Pläne, die über 4,3 Millionen Hektar bewaldetes Gebiet als geeignet für den Anbau von Palmöl ausweisen (PDF-Datei kann auf Rettet den Regenwald.org heruntegeladen werden).


Thomas Fritz, der dass Freihandelsabkommen analysierte, kommt im Interview mit Rettet den Regenwald zu dem Ergebnis: „Das dramatische an dieser Entwicklung ist, dass die Menschenrechts- und Umweltstandards im neuen Freihandelsvertrag schwächer sind, als in dem vorherigen Handelsabkommen mit Kolumbien und Peru. Ganz wichtige Menschenrechte fehlen im Vertrag wie z.B. das Recht auf Nahrung und das Recht auf Land. Und das ist natürlich eine ganz negative Entwicklung."

Die Publikation von Thomas Fritz kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Bitte unterstützen Sie die Kampagne europäischer, peruanischer und kolumbianischer Menschenrechts- und Umweltgruppen. Schreiben Sie an die deutschen Abgeordneten des Europaparlaments sowie des Ausschusses für Internationalen Handel INTA und fordern Sie die Ablehnung des geplanten Freihandelsabkommens.

Hier gelangt man zur Online Unterschriftenaktion.

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