Dienstag, 31. Januar 2012

Apple droht Konsumboykott

Empörung nach Bericht über Foxconn-Produktion

US-Medienberichte über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen beim chinesischen Zulieferer Foxconn werden für Apple zu einem wachsenden Imageproblem, das in Boykottaufrufe münden könnte. Apple ist einer der größten Kunden von Foxconn, das weltweit rund 40 Prozent aller Elektronikgeräte zusammenbaut. Von Amazon, Dell, Hewlett-Packard, Motorola, Nokia und Samsung bis zu Sony lässt fast die gesamte Industrie bei Foxconn fertigen.

(Foto: goodelectronics.org)

Unter dem Titel "Menschliche Kosten bei iPad eingebaut" berichtete darüber die New York Times. Apple selbst hat ungewohnt rasch reagiert; schon früher hat der Konzern eine Liste seiner Lieferanten und Arbeitsprobleme veröffentlicht. CEO Tim Cook erklärte, "zornig" darüber zu sein, dass Apple unterstellt werde, Unfälle und Gesundheitsprobleme absichtlich in Kauf zu nehmen: "Jeder Unfall und alle Probleme bei Arbeitsbedingungen sind besorgniserregend. Jede Unterstellung, dass uns das egal sei, ist falsch und beleidigend für uns." Darum sei Apple auch der Fair Labor Association beigetreten, die weltweit für die Durchsetzung fairer Arbeitsrechte eintritt.

Dennoch könnte Apple ein Boykott drohen: Kolumnisten von der Los Angeles Times bis zu Forbes werfen die Frage auf, ob Konsumenten nicht dadurch Druck ausüben sollten.

(red/DER STANDARD Printausgabe, 31. Jänner 2012)

Nachlese:

Die menschlichen Kosten sind in das iPad eingerechnet (derStandard.at)

Tim Cook antwortet auf den Vorwurf über schlechte Arbeitsbedingungen (derStandard.at)

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Aufruf zum Boykott von Apple! (greenaction.de)

iSlave (Südwind Magazin)

Situation der Arbeitsrechte bei Foxconn (makeITfair, 2010)

Online Petition an Apple

Foxconn @ Public Eye Awards 2011 (iSlave) Adbusting for the Public Eye Awards 2011. Vote for the worst company of the year on www.publiceye.ch

Samstag, 28. Januar 2012

ZARA:Talk "gegen rechts"

Am 23. Jänner 2012 fand in der Wiener Hauptbibliothek eine Gesprächsrunde von ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit statt:

ZARA:Talk “Rechtsextremismus, Populismus, Rassismus”


Am Podium:
Corinna Milborn, stellvertretende Chefredakteurin von News,
Karl Öllinger, Plattform „stoppt die rechten“,
Nationalratsabgeordneter, Die Grünen, Reinhold Gärtner, Universität Innsbruck
Moderation: Funda Sel

Das Video ist auf der Internetplattform www.ichmachpolitik.at abrufbar:



Beim ZARA:Talk am 23. Jänner – übrigens dem 19. Jahrestag des Lichtermeers – diskutieren ExpertInnen aus Medien, Politik und Wissenschaft, wie die Duldung der Rechten in Österreich rassistische Denk- und Handlungsweisen legitimiert und erörtern, wie Rechtsextremismus, Populismus und Rassismus ineinandergreifen, sich gegenseitig verstärken und dadurch untrennbar sind.

Freitag, 27. Januar 2012

Sans-Papiers-Bewegung

Ausschnitte aus dem Interview mit der senegalesischen Aktivistin Madjiguène Cissé auf derStandard.at:

derStandard.at: In Paris waren Sie der Kopf einer riesigen Protestbewegung von Zugewanderten. Prominente SozialdemokratInnen kämpften 1996 Seite an Seite mit Ihnen, ein Jahr später kamen sie an die Macht. Was änderte sich dadurch für Sie?

Madjiguène Cissé: Viel. Wissen Sie, wenn man an der Macht ist, reagiert man anders. Die Linke hat ein Jahr lang mit uns demonstriert, und plötzlich war die Linke an der Macht, und ab diesem Moment hatte sie eine ganz andere Beziehung zu uns. Sie fanden unsere Forderungen plötzlich "zu extrem" - obwohl die Forderungen dieselben waren wie am Anfang. Deswegen haben wir weiter mobilisieren müssen, um für die Leute Papiere zu bekommen.

(Foto: derStandard.at/mas)

(...)

derStandard.at: Sie selbst wurden nicht legalisiert. Warum nicht?

Cissé: Wenn man keine Sans-Papier ist, dann kann man auch nicht die Bewegung der Sans-Papiers führen - das ist meine Meinung. Aber die Polizei hat versucht, mich zu erpressen. Sie haben Leute zu mir geschickt, die gesagt haben: "Madjiguène, es hängt allein von dir ab. Wenn du heute mit dieser Bewegung aufhörst, dann geben wir dir nicht nur die Aufenthaltskarte, sondern sogar die französische Staatsbürgerschaft!" Aber ich habe immer abgelehnt. Ich habe gesagt, ich brauche keinen französischen Pass. Denn bei meinem Kampf geht es darum, dass Afrika sich vereint, und wenn ich einen einzigen Pass für ganz Afrika habe, dann war mein Kampf erfolgreich.

(...)

derStandard.at: Warum soll sich Afrika vereinen?

Cissé: Europa braucht Afrika als Absatzmarkt. Zögen wir Mauern auf, dann würde Europa zugrunde gehen - dessen müssen wir uns bewusst sein. Europa braucht uns mehr, als wir Europa brauchen. Also sollten wir mit einer Stimme sprechen.

derStandard.at: Europa schottet sich ab, Sie hingegen sind Vertreterin der offenen Grenzen.

Cissé: Ja, es ist wichtig, dass die Menschen sich frei bewegen können - auch innerhalb von Afrika. Wenn unsere Frauen Farbstoffe in Mali kaufen und damit in den Senegal fahren, dann haben sie jede Menge Probleme an den Grenzen - mit den Polizisten, dem Zoll und so weiter. Das alles muss weg. Und dasselbe gilt für die Kontinente. Man muss doch in einen anderen Kontinent reisen können, um dort etwas zu lernen und das neue Wissen zurückbringen zu können. Nur so lässt sich eine Welt aufbauen. Europa wäre nicht dort, wo es heute steht, wenn die Europäer diese Möglichkeit nicht gehabt hätten.

derStandard.at: Wie viele Menschen kämen aus Afrika nach Europa, würde man die Grenzen heute öffnen?

Cissé: Die kämen nach Europa, direkt nach Wien bei minus 14 Grad - und würden direkt wieder nach Hause fahren und sagen: "Ich komme im Sommer wieder!" (lacht) Scherz beiseite: Adam und Eva hatten damals im Paradies ein großes Problem, und zwar die verbotene Frucht. Wenn etwas verboten ist, strebt der Mensch immer genau danach. Anders gesagt: Wären die Grenzen offen - es würde keine Invasion geben.

(Maria Sterkl, derStandard.at, 27.1.2012)


Link Refdaf
"Papiere für alle" - Buch von Madjiguène Cissè

Dienstag, 24. Januar 2012

Olof-Palme-Preis vergeben

Der Italiener Roberto Saviano und die Mexikanerin Lydia Cacho bekommen den Olof-Palme-Preis für ihren publizistischen Einsatz gegen organisiertes Verbrechen und Korruption. Wie die Stockholmer Palme-Stiftung am Montag mitteilte, werden die beiden Journalisten und Buchautoren wegen ihres "außergewöhnlichen Mutes" ausgezeichnet.

Lydia Cacho hat vor allem über Korruption, Menschenhandel und pädophile Netzwerke hochrangiger Politiker sowie Geschäftsleute in ihrer mexikanischen Heimat geschrieben. Saviano lebt seit seinen Veröffentlichungen über die Verbrecherorganisation Camorra in Neapel unter ständigen Todesdrohungen.

Der Preis ist mit 75.000 Dollar (58.000 Euro) dotiert und nach dem 1986 ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme benannt. Bisherige Preisträger sind unter anderem der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, der kürzlich gestorbene tschechische Ex-Präsident Vaclav Havel, die ermordete russische Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Saviano und Cacho sollen ihre Auszeichnungen am Freitag überreicht bekommen.

(Quelle: APA)

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Wer war Olof Palme?

Interview mit Lydia Cacho

Offizielle Homepage von Roberto Saviano (italienisch)

Mafia: Morde, Giftmüll, Terror (Zeit online)

Montag, 23. Januar 2012

Rassistische Türpolitik im Floridita

Bereits 2007 wurde kritisiert, dass schwarze Menschen im Wiener Innenstadtlokal Floridita nicht eingelassen werden. Fünf Jahre später hat sich daran nichts geändert.

Im Herbst 2011 erschien der Film 'The Help' des Regisseurs Tate Taylor nach dem gleichnamigen Bestseller von Kathryn Stockett. Er handelt von der engagierten Skeeter, die es schafft afroamerikanische Hausangestellte dazu zu gewinnen, mit ihrer Hilfe ein Buch über ihre prekären Arbeitsverhältnisse zu schreiben. Der Film spielt in Mississippi Anfang der frühen 1960er Jahre während der BürgerInnenrechtsbewegung in den USA. Eine gesetzlich fundamentierte Rassentrennung gab es in den Südstaaten der USA bis in die späten 60er Jahre: getrennte Schulen, Theater, öffentliche Verkehrsmittel - um nur einige Beispiel zu nennen.

Was hat dieser Film mit der heutigen Zeit, im speziellen mit Wien zu tun? Immer noch gibt es in Wien Lokale, deren Türstehern es schwarzen Menschen verbietet, einzutreten. Es wird mit 'heute nur Stammgäste', 'das Lokal ist voll' oder ähnlichen Ausreden argumentiert. Wenn man aber mitbekommt, dass während des Gespräches mit den Türstehern Gruppen von weißen Menschen in das Lokal eingelassen werden, muss an diesen Argumenten gezweifelt werden. Dahinter steckt also eine rassistische Türpolitik. So passierte es im vergangen Jahr 2011 auch immer wieder Freunden von mir aus Gambia.

Schon 2007 erschien auf no-racism.net ein Artikel über das beliebte Tanzlokal Floridita im ersten Wiener Gemeindebezirk, in dem ein schwarzen Studenten schilderte, wie ihm der Eintritt verweigert wurde. Es gab sogar eine Protestmail im Anhang. Wie sieht es einige Jahre später aus, hat sich etwas verändert?

Die Antwort lautet leider nein. Die selbe Ausrede bekamen auch meine Freunde mehrmals zu hören: 'Nur für Stammgäste'. Die Türsteher meinten, sie kennen alle Gäste, denn die kommen auch immer während der Woche. Doch wer schon einmal an einem Wochentag im Floridita war, der weiß, dass sich da nicht sehr viel abspielt - wenn es nicht gerade eine spezielles Veranstaltungsprogramm gibt. Vor allem ist es für schwarze Menschen dann auch meist kein Problem in das Lokal zu gelangen - aber wie wird man dann Stammgast?

Es liegt also auch an den Launen der Türsteher, ob einem als schwarzer Mensch der Eintritt gewährt wird oder eben nicht. Wie kann es sein, dass ich als weiße Österreicherin noch nie Probleme hatte in das besagte Lokal zu gelangen, egal an welchem Tag, aber ohne Stammgast zu sein? Das Lokal selbst wirbt auf seiner Homepage damit, die 'Latino-Kultur zu fördern und sie für das internationale und österreichische Publikum in Wien erlebbar zu machen'.

Die Gäste - ob es nun Stammgäste sind oder nicht - müssen darüber informiert werden, welche rassistische Türpolitik dieses 'internationale' Lokal verfolgt und Zivilcourage zeigen. Auch wenn man selbst nicht davon betroffen ist, sollte man sich solidarisch zeigen und wieder einmal mehr seinen Protest zum Ausdruck bringen.

In dem Film 'The Help' von dem ich zu Beginn geschrieben habe, meinte die Mutter von Skeeter: 'Zivilcourage überspringt manchmal eine Generation. Danke, dass du sie unserer Familie zurückgebracht hast.'

Artikel auf no-racism.net
Protestmail an die Leitung des Lokals, siehe Artikel

Mittwoch, 18. Januar 2012

The Green Wave

Noch bis 26. Jänner 2012 ist im Topkino in Wien der iranische Film "The Green Wave" zu sehen:

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Grün ist die Farbe des Islams. Und Grün war das Erkennungszeichen der Anhänger von Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi, der 2009 zur Symbolfigur der »Grünen Revolution« im Iran aufstieg. Die Präsidentschaftswahlen am 12. Juni 2009 sollten einen Wechsel bringen, aber entgegen allen Erwartungen wurde der ultrakonservative Populist Mahmud Ahmadineschad im Amt bestätigt.

So deutlich das Ergebnis ausfiel, so laut und berechtigt waren dann auch die Vorwürfe der Wahlmanipulation. Die anhaltenden »Wo ist meine Stimme?«- Protestdemonstrationen wurden von staatlichen Milizen immer wieder mit brutalen Übergriffen aufgerieben und aufgelöst. Private Aufnahmen von Handys oder Fotokameras zeugen von dieser maßlosen Gewalt: Menschen werden verprügelt, erstochen, erschossen, verhaftet, verschleppt, manche verschwinden spurlos. Zahllose Tote, Verletzte und Folteropfer, und eine weitere tiefe Wunde im Herzen der Iraner bleiben zurück.

Offizielle Filmhomepage von "The Green Wave".

Drehbuch: Ali Samadi Ahadi


Zitate aus dem Film:

Payaman Akhavan, ehemaliger UN-Ankläger:

„Deutschland, Frankreich und Italien haben immer nur ein Lippenbekenntnis zu den Menschenrechten abgegeben. Nie haben sie den Iran für die Misshandlungen seiner Bevölkerung büßen lassen. Und deshalb dauert dieser Missbrauch so lange an. Heute ist die internationale Gemeinschaft nur am Atomthema, an der Sicherheit ihrer Ölversorgung interessiert. Niemand nimmt die Missachtung der Menschenrechte ernst."

Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi:

"Und wenn die Europäer behaupten, dass ihnen die Menschenrechte wichtig sind, dann müssen sie diese Werte für alle Gesellschaften wollen, auch für den Iran. Sie sollten sich bei jedem Vertrag, den sie mit dem Iran schließen, an das Gesicht von Neda erinnern, die auf der Straße getötet wurde."

Der Film ist sehr bewegend und sollte eigentlich jede/r gesehen haben, um auch nur annähernd zu wissen was 2009 im Iran passiert ist. Ich kann mich der Kritik von Kino.de nur anschließen:

Ahadi gelingt ein himmelschreiendes und künstlerisch kühnes Denkmal für die ermordete Hoffnung in einem Gefängnis das Iran heißt.

Sunnivah_

Dienstag, 17. Januar 2012

NoWKR Proteste 2012

Gedenk- und Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus:

20.-27. Jänner 2012

Veranstaltungskalender: "Jetzt Zeichen setzen!"

"Am 27. Jänner 2012 jährt sich zum 67. Mal die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Der internationale Holocaust-Gedenktag der UNO ist Anlass für die so wichtige Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Der 27. Jänner soll aber auch Veranlassung dazu sein, aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in Österreich und Europa aufzutreten." (www.jetztzeichensetzen.at)


Zum ersten Mal ist der zivilgesellschaftliche Protest heuer deutlich wahrnehmbar. SOS Mitmensch plant am 27. Jänner ab 18:30 Uhr am Wiener Heldenplatz eine Großkundgebung gegen Rechtsextremismus.
Der WKR-Ball wird zum letzten Mal in der Hofburg abgehalten, was sicher ein Erfolg der Proteste der letzten Jahre ist, aber auch die Entwicklungen zu den Taten der Zwickauer Terrorzelle tragen vermutlich einen Beitrag dazu.


Links zu Bündnissen, die gegen den WKR-Ball mobilisieren:

No-WKR-Bündnis
radicalqueer
Offensive gegen Rechts
Rote Antifa Wien
...ums ganze-Bündnis (Deutschland)


Auf www.at.indymedia.org wird es am Tag des WKR-Balls liveinfos via ticker geben.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Atomkraftfreie Zukunft

Risikoreaktoren rund um Österreich

Ohne Schützhülle
- Slowakei: Mochovce 1 & 2, seit 1998 und 2000
- Slowakei: Bohunice 3 & 4, seit 1985
- Tschechien: Dukovany 1-4, seit 1985 - 1987
- Ungarn: Paks 1-4, seit 1983-1987

In einem Erdbebengebiet:
- Slowakei: Krsko 1, seit 1983

Baustopp für Mochovce 3 & 4 : hier Unterschriften sammeln
















(Quelle: Wiener Plattform "Atomkraftfreie Zukunft")

aktiv werden!
- bei der Planung von Projekten
- beim wöchentlichen Infotisch (jeden Mittwoch zwiscshen 11:30 und 16:00 Schottenpassage, Station Schottentor)
- beim vierteljährlichen Zeitungsversand
- bei Kundgebungen

Persönlicher Atomausstieg:
www.oekostrom.at
www.aae.at

Mittwoch, 11. Januar 2012

Zehn Jahr Guantánamo

Zehn Jahre Ungerechtigkeit

Zehn Jahre, nachdem die ersten Gefangenen in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba überstellt wurden, sind dort noch immer 171 Männer inhaftiert. Obama hat sein vor drei Jahren gegebenes Versprechen, Guantánamo innerhalb eines Jahres zu schließen, gebrochen - mit fatalen Auswirkungen für die Menschenrechte weltweit.

siehe Bericht von Amnesty International

Online Aktion: Guantánamo schließen

Video von Amnesty International



Zahlen, Fakten und Chronik
  • Zurzeit sind 171 Männer aus mehr als 20 Ländern in Guantánamo inhaftiert.
  • Seit 2002 starben acht Gefangene in Guantánamo, Berichten zufolge sechs durch Selbstmord und zwei eines natürlichen Todes. Im Jahre 2011 starben zwei Gefangene, beide afghanischer Herkunft.
  • Nur vier der aktuell in Guantánamo inhaftierten Gefangenen verbüßen eine Haftstrafe. Seit 2002 wurden nur sechs Gefangene von Militärkommissionen verurteilt, vier von ihnen bekannten sich schuldig, zwei von ihnen wurden daraufhin in ihr Heimatland zurückgebracht.
  • Nur ein Gefangener wurde für ein Verfahren vor einem Bundesgericht in die USA gebracht. Er wurde im Januar 2011 zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
  • 48 Gefangene können laut der US-Regierung weder freigelassen noch verurteilt werden. Sie sollen auf unbestimmte Zeit inhaftiert bleiben.
  • Kein Gefangener wurde in die USA entlassen.
  • ...

Fünf Schicksale

Berichte von Amnesty International

Montag, 9. Januar 2012

Rettung der Welt

In der Onlineausgabe der FAZ erschien kürzlich ein Artikel mit dem Thema: Rettung der Welt. Was Sie sofort tun können: Zehn Empfehlungen von Harald Welzer:

Beginnen Sie, einfache Fragen zu stellen; hören Sie auf, Europapolitikern zu glauben; nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume; haben Sie Spaß dabei: Die Rettung der Welt zum Mitmachen in zehn Empfehlungen.

1.Selber denken.

2. Trauen Sie endlich Ihrem Gefühl, dass um Sie herum ein großes Illusionstheater stattfindet. Die Kulissen simulieren Stabilität, aber das Stück ist eine Farce: Immerfort treten dicke Männer auf und brüllen „Wachstum!“, Spekulanten spielen Länderdomino, und dauernd tänzeln Nummerngirls mit Katastrophenbildern über die Bühne. Das Publikum ist genervt und wütend, bleibt gleichwohl bis zum Ende der Vorstellung sitzen. Aber: Wann wird das wohl kommen?

3. Verlassen Sie besser die Vorstellung und beginnen Sie, ganz einfache Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Warum muss man immer mehr arbeiten, wenn man immer mehr arbeitet? Warum werden die Schulden größer, wenn immer mehr gespart wird? Warum schrumpft alles andere, wenn die Wirtschaft wächst?

4. Suchen Sie zusammen mit Ihren Freundinnen und Freunden nach Antworten. Zum Beispiel: Weil alle Idioten auch mehr arbeiten. Weil das Gesparte in fremde Taschen wandert. Weil viele börsennotierte Unternehmen staatsferne Parallelgesellschaften bilden.

5. Beschließen Sie, ab sofort nicht mehr mitzumachen, falls Ihre Antworten Sie beunruhigen.

6. Fangen Sie damit an, aufzuhören. Hören Sie auf, Europapolitikern zu glauben. Hören Sie erst recht auf, Wirtschaftsforschungsinstituten zu glauben. Und hören Sie um Gottes willen damit auf, sich widerspruchslos erzählen zu lassen, irgendeine Entscheidung sei alternativlos gewesen. So etwas gibt es in Demokratien nicht.

7. Wenn Sie jetzt so weit sind, dass Sie nicht mehr jeden Blödsinn tolerieren, nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume. Sie leben in einem der reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß am Leben und finden sich ganz gut. Warum zum Teufel machen Sie jeden Tag dasselbe und nie etwas anderes?

8. Wie Sie Ihre Spielräume nutzen sollen? Schauen Sie sich einfach an, was andere machen. Es gibt doch unglaublich tolle Ansätze und Projekte: Energiegenossenschaften, Nachbarschaftsgärten, fairen Konsum, lokale Währungen, großartige Stiftungen, Unternehmen, die sich dem Wachstumszwang verweigern. Schreiben Sie politischer, falls Sie Journalist sind. Forschen Sie für eine andere Zukunft, falls Sie in der Wissenschaft sind. Wechseln Sie die Pausenthemen, falls Sie am Band arbeiten. Kaufen Sie anders ein, falls Sie ein Restaurant haben. Fragen Sie, wo der Fisch herkommt, wenn Sie essen gehen. Interessieren Sie sich für die Zukunft Ihrer Schüler, falls Sie Lehrerin oder Lehrer sind. Fusionieren Sie mit einem Kindergarten, wenn Sie ein Seniorenheim leiten. Denken Sie ans Höllenfeuer, wenn Sie einem der vier großen Energiekonzerne vorstehen. Produzieren Sie cradle to cradle, wenn Sie eine Fabrik besitzen. Riskieren Sie etwas, wenn Sie sich für intellektuell halten.

9. Versuchen Sie irgendwo dazuzugehören, wo Sie stolz sagen können: „Wir machen das anders!“ Zum Beispiel eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln, Ideen interessanter finden als Erfahrung, nicht auf Kosten anderer leben, oder was Ihnen sonst noch einfällt. Zukunftsfähig zu sein bedeutet das Gegenteil vom business as usual: lernend, fehlerfreundlich, reversibel zu handeln.

10. Bilden Sie Labore der Zukunft und haben Sie Spaß dabei. Vergessen Sie das „5-vor-12“-Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der „Weltgemeinschaft“ und der Notwendigkeit globaler Lösungen. Niemand hat an Ihrer Wiege gestanden und mit hohler Stimme gesagt: „Lars, du bist zu uns gekommen, um die Welt zu retten!“ Es genügt völlig, wenn Sie beginnen, mit Ihrem Leben, Ihren Lieben und Ihrem Land verantwortungsvoll und zukunftsfähig umzugehen. Das aber bitte gleich.

Stornieren Sie Ihre nächste blöde Flugreise (Sie wollen da sowieso nicht hin), bestellen Sie Ihr nächstes Auto erst gar nicht (es wird Sie unglücklicher machen, weil Sie glaubten, es mache Sie glücklicher), kaufen Sie nichts mehr, was zu billig ist (denn dann hat irgendjemand zu wenig bekommen). Säbeln Sie in Ihre Weihnachtsgans und teilen Sie Ihren Kindern oder Enkeln mit, dass Sie ab jetzt Ihr Leben ändern werden. Das wird Ihnen helfen, es tatsächlich zu tun (denn jetzt können Sie nicht mehr zurück).

Harald Welzer, 52, lehrt am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und veröffentlichte zuletzt mit Claus Leggewie „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“ (S. Fischer).

Dem ist nicht sehr viel hinzuzufügen. Hier eine Leseprobe des Buches von Welzer.

Passend dazu möchte ich hier noch einen weiteren Buchtipp anbringen: Das Buch der Österreichischen Journalistin Anneliese Rohrer: "Ende des Gehorsams." Rohrer geht speziell auf die Österreichische Situation ein kritisiert ziemlich direkt den Gehorsam der ÖsterreicherInnen.

Hier ein Interview mit Rohrer.

Ende des Gehorsams

Ende des Gehorsams

Sunnivah_

Sonntag, 8. Januar 2012

Antiflüchtlingskampagen 2012

Der Österreichischen Innenministerin Mikl-Leitner ist wieder einmal eine neue Boshaftigkeit für Flüchtlinge eingefallen. Dieses Mal ist es (noch) keine neue Novelle des Asylgesetztes, sondern ein Negativkampagne - ein gefundenes Fressen für die Massenmedien. Irene Brickner, Journalistin bei "der Standard" hat sich wie immer engagiert dem Thema angenommen und auf ihrem Blog bzw. als Meinungskommentar darüber berichtet:

Neue Antiflüchtlingskampagen

Wie Asylwerber ihr Taschengeld missbrauchen

Momentan bekommen AsylwerberInnen neben der sogenannten Grundversorgung auch Gutscheine der Handelskette C&A für Kleidung. Anstelle von Bargeld, mit dem sie bei Second-Hand Läden billige Kleidung und Schuhe bekommen könnten, werden sie gezwungen ihre Kleidung in einem festgelegten Geschäft zu kaufen - wobei sich mit den Gutscheinen vielleicht gerade eine gute winterfeste Jacke erstehen lässt und meines Wissens nach gibt es keine Schuhe bei C&A zu kaufen...

Apropo Negativekampagne gegen Schutzsuchende. In der aktuellen Ausgabe des MO - Magazin für Menschenrechte von SOS Mitmensch findet sich ein Artikel über das vorherschende Vorurteil der "reichen" AsylwerberInnen:

Arm haut auf ärmer

Unter www.asyl.at findet man übrigends die genaue Summe, die AsylwerberInnen in Österreich zusteht. Die Auflistung betrifft Oberösterreich im Jahr 2009, ist aber auf ganz Österreich übertragbar und noch immer gültig.

Sunnivah_