Mittwoch, 19. Dezember 2012

Unfall auf der Südosttangente


Ein Gedankenexperiment zu den EU-Außengrenzen

«Auf der Wiener Südosttangente verunglückte ein Autobus mit 70 Schulkindern an Bord. Vorbeifahrende Passanten leisteten den Unfallopfern keine Hilfe, auch ein zufällig die Unfallstelle passierender Einsatzwagen der Exekutive blieb nicht stehen. Als Folge der unterlassenen Hilfeleistung starben 40 Menschen.»
Alexandra Siebenhofer 11.12.2012
Ein ziemlich konstruiertes Beispiel. Ein Ding der Unmöglichkeit. Jede und jeder weiß, was in einem solchen Fall zu erwarten wäre. Ein Sturm der Entrüstung würde ausbrechen. Boulevard und Qualitätsmedien würden sich gleichermaßen empören, das Image der Einsatzkräfte, der Exekutive, ja Österreichs wäre für Jahre beschädigt.
Angenommen, ich wäre Drehbuchautorin und meine Aufgabe bestünde darin, ein derart konstruiertes Beispiel glaubwürdig wirken zu lassen. Was wäre dazu notwendig?

Opfer-Täter-Umkehr

Vor allem müsste es gelingen, die Position der Täter_innen und Opfer vollständig und gründlich umzukehren: Die Unfallopfer müssen sich immer mehr als Täter_innen erweisen. Nicht erbrachte Hilfeleistung würde somit zu einem Selbstverteidigungsakt mit bedauerlichen Folgen.

Erstens: Armut. «Auf der Wiener Südosttangente verunglückt ein Autobus mit 70 Bauarbeitern an Bord. Vorbeifahrende Passanten [... usw ...]. Als Folge der unterlassenen Hilfeleistung starben 40 Menschen. In einer ersten Stellungnahme erklärte ein Sprecher der Polizei, bei dem Busunternehmen handle es sich um ein Unternehmen, das ohne Konzession operierte und in desolaten Fahrzeugen Busreisen zu Billigstpreisen anbot.» Die Schulkinder sind verschwunden, aus den Zukunftshoffnungen einer Nation wurden sozial Schwache ergo potenzielle «Nettoempfänger». Drehbuchtechnisch ein geschickter Twist, wird so doch der Weg frei zur sogenannten Teilschuld der Opfer. «Selber schuld», liegt es einem schon auf der Zunge. Trotzdem, etwas fehlt noch.
Zweitens: das Fremde. „Auf der Wiener Südosttangente verunglückt ein Autobus mit 70 illegalen Migranten an Bord. Die Verunglückten, allesamt Angehörige der Roma-Minderheit, waren mit Hilfe eines Schleppers illegal nach Österreich eingereist. Vorbeifahrende Passanten [... usw …] Als Folge der unterlassenen Hilfeleistung starben 40 Menschen. Ein Sprecher der Polizei erklärte, dass derartige Zwischenfälle im letzten Jahr immer häufiger vorgefallen wären. Bei den Einsatzkräften herrsche bereits große Frustration, weil immer wieder illegale Migranten in desolaten Fahrzeugen Unfälle verursachten.» Aus Armen wurden in einem letzten Schritt jene Personen, die sich generell am Besten für eine Opfer-Täter-Umkehr eignen: Fremde, primär potenzielle Feind_innen. Trotzdem, so ganz glaubwürdig ist die Geschichte noch immer nicht. Auch dieses Beispiel unterstellt noch ziemlich vielen Menschen ziemlich rücksichtsloses, menschenverachtendes Verhalten. Niemandem in Österreich wäre Derartiges zuzutrauen.
Drittens: Entfernung. Was aber, wenn es sich in meinem Drehbuchversuch nicht um die österreichische Exekutive handelte, sondern um eine EU-Behörde oder die NATO? Was, wenn der Busunternehmer ein Fischereibetrieb wäre, der sich im leergefischten Mittelmeer keinen Unterhalt mehr mit Fischfang verdienen kann? Was, wenn die Wiener Südosttangente das Mittelmeer wäre und nicht ein Bus verunglückt, sondern ein Boot? Dann würde ich kein Drehbuch erfinden. Dann würde ich einfach nur jene Realität beschreiben, die an den EU-Außengrenzen in jahrelanger Kleinarbeit und unter Mithilfe des heurigen Friedensnobelpreisträgers geschaffen wurde.

Left to Die

Die BBC Dokumentation «The Left To Die Boat» erzählt die Geschichte jener 72 somalischen Flüchtlinge, die im März 2011 von Libyen Richtung Italien aufbrachen. Als ihr Boot navigationsunfähig wurde, trieb es fünzehn Tage lang in Seenot auf dem offenen Meer. 61 Menschen, darunter auch Babys, verhungerten und verdursteten, zwei weitere starben, nachdem das Boot nach Libyen (wo Bürgerkrieg herrscht) zurückgetrieben war. Als wäre dies nicht schon skandalös genug, zeigte sich, dass während der gesamten Zeit der Aufenthaltsort des Schiffes bekannt war, ebenso, dass es in Seenot geraten war. Da zu dieser Zeit eine Seeblockade durch die NATO-Einsatzkräfte aufrechterhalten wurde, befanden sich zahlreiche NATO-Schiffe in der Nähe, keines davon kam den Verhungernden zu Hilfe. In einem im März 2012 publizierten Untersuchungsbericht des Europarates wurde der NATO eindeutig Mitschuld an den Todesfällen attestiert.

Nun berichtet die deutsche Forschungsgesellschaft Flucht und Migration unter Berufung auf die spanischen Tageszeitung «El País» von einem Bootsunglück vor Gibraltar, bei dem Ende Oktober 58 Personen ertrunken sind. Ein Flugzeug der europäischen «Grenzschutzagentur» Frontex, so Überlebende, habe das in Seenot geratene Boot zwar fotografiert, aber keinerlei Rettungsmaßnahmen initiiert. Frontex bestätigt, dass sich Flugzeuge der Grenzschutzbehörde in der Region befanden, macht aber widersprüchliche Angaben dazu, welcher Organisation das besagte Einsatzflugzeug zuzurechnen sei und welche Aufnahmen tatsächlich gemacht wurden.
Fast ein Monat nach dem Unfall ist daher immer noch ungeklärt, was in der betreffenden Nacht wirklich vorgefallen war. Frontex mag seine Rettungspflichten vernachlässigt haben oder nicht. Alleine die Tatsache, dass dies niemanden interessiert, dass die Aufklärung der Todesumstände der 58 Ertrunkenen nicht öffentlich thematisiert wird – allein das spricht bereits Bände.
«Über zwei Wochen nach dem verheerenden Unfall auf der Südosttangente, bei dem aufgrund unterlassener Hilfeleistung 40 Menschen starben, ist noch immer unklar, wieso jene Exekutivbeamten, die zum Unfallzeitpunkt in der Nähe des Unfalls waren, keine Hilfe geleistet hatten.» Innerhalb Europas undenkbar, ist genau dies an den EU-Außengrenzen schon längst Realität.
Alexandra Siebenhofer 12/2012

Freitag, 23. November 2012

Radi-Aid

Imagine if every person in Africa saw the “Africa for Norway”-video, and this was the only information they ever got about Norway. What would they think about Norway?



Africans unite to save Norwegians from dying of frostbite. You too can donate your radiator and spread some warmth!

Homepage Radi-Aid

weitere Videos:

Dienstag, 6. November 2012

Bekenntnisse eines Öko-Terroristen


 Der Doku-Film "Bekenntnisse eines Öko-Terroristen" ist jetzt auch auf YouTube zu finden:



Mit BEKENNTNISSE EINES ÖKO-TERRORISTEN gibt Tierschützer und Filmemacher Peter Brown einen direkten Einblick in das Leben von Tierrechtsaktivisten auf hoher See. Der Film zeigt den Kampf der radikalen Gruppen Sea Shepherd Conservation Society gegen die brutale und oft illegale Abschlachtung von Tieren in und um die Weltmeere unter der Führung des bekannten Aktivisten Paul Watson. Die Crew-Mitglieder befahren unter ihrer Version der Totenkopffahne, die Weltmeere und kämpfen oftmals auf sehr unorthodoxe Art und Weise gegen die Tierfänger. Vom Abspielen von Wahlgesängen bis hin zu direktem Rammen mit dem Schiff scheuen die Aktivisten vor nichts zurück. Mit teilweise viel Humor zeigt Brown den Alltag und die Schwierigkeiten, mit denen die Tierschützer dabei zu kämpfen haben.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Skurriles Schauspiel

Der Nationalfeiertag wird für eine Militärschau genutzt, nicht zur Sachdiskussion
"Wenn der Vorhang des Staates aufgeht, sehen wir an jedem österreichischen Tag (und also auch am Nationalfeiertag) ein Lustspiel für Marionetten." So beschrieb Thomas Bernhard seine Gedanken "Zum österreichischen Nationalfeiertag 1977". Viel hat sich nicht geändert, wenn man das alljährliche Spektakel auf dem Heldenplatz betrachtet. Da rollen in den Tagen davor bereits Panzer über den Ring und sorgen nicht nur bei Touristen für irritierte Blicke. Kinder dürfen dann auf ihnen herumklettern und werden von Soldaten in Uniform instruiert. Und das offizielle Österreich marschiert zum Kranzniederlegen auf.
Man muss nicht unbedingt einen Blick von außen wie Derek Scully haben, der die Form des offiziellen Gedenkens aus Anlass des Nationalfeiertags in der Irish Times höchst "irritierend" fand. Seine Einschätzung: Eine solche militärische Leistungs- und Gedenkschau wäre in Irland undenkbar und sei angesichts der zur Schau getragenen Neutralität widersprüchlich.
Das trifft erst recht auf die Politik zu. Denn beide Regierungsparteien haben ihre Positionen innerhalb weniger Monate so verändert, dass sie sich auf dem jeweils anderen Standpunkt wiederfinden. Das gehört zu jenen österreichischen Skurrilitäten, die nicht nur ausländischen Beobachtern unverständlich sind. Das hat mit den Boulevardmedien und der Hörigkeit der Politik zu tun.
Das Spektakel am Heldenplatz in Blickweite des Burgtheaters könnte sich heuer sogar noch zu einer Tragödie entwickeln. Wenn der Chef des Generalstabs, Edmund Entacher, diese Freiluftbühne nutzt, um das zu verkünden, was er bei einem (vom Ministerium finanzierten) Empfang jüngst erklärt hat: Er werde mit Blick auf die Volksbefragung zur Wehrpflicht im Jänner nicht schon im November in Pension gehen. Damit stilisiert sich der glühende Wehrpflicht-Anhänger und Sozialdemokrat unter Beifall der ÖVP zum Widerstandskämpfer und verstärkt den Mitleidseffekt für seinen Minister Norbert Darabos (SPÖ), der nun mit Verve das Gegenteil dessen verkündet, was vor kurzem noch seine Überzeugung war.
Beide Koalitionsparteien werden die Gelegenheit des Nationalfeiertages nicht ungenutzt verstreichen lassen, ihre Standpunkte zu trommeln. Dabei wäre dies eine Chance, nicht zu agitieren, sondern zu informieren. Und sich berechtigte Fragen zu stellen: Wozu braucht man das Bundesheer? In dieser Form? Die Debatte wird von zwei Themen überlagert, die mit dem militärischen Zweck nichts direkt zu tun haben: Wer hilft im Katastrophenfall? Und was passiert im Sozialbereich, wenn es keine Zivildiener mehr gibt?
Daraus könnte sich eine positive Debatte entwickeln: über den Wert von freiwilligen Einsätzen, wie sie bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Roten Kreuz geleistet werden. Dass für ein freiwilliges Soziales Jahr nicht einmal der Mindestlohn bezahlt werden soll, ist beschämend.
Die Frage, wozu ein - noch dazu neutrales - Land mitten in der EU mit gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik und sogenannten Battlegroups noch das Bundesheer im derzeitigen Zustand oder militärisches Gerät wie Eurofighter braucht, wird nicht gestellt. Nicht gestellt wird auch die Frage nach dem Sinn von Kriegerdenkmälern. Denn was passiert an diesem Nationalfeiertag? "Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, was wir immer gesehen haben", schrieb Thomas Bernhard.
(Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 24.10.2012)

Dienstag, 16. Oktober 2012

Friedensnobelpreis für die EU?

Artikel von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau, 15.10.2012

EU und Flüchtlinge: Gebt den Preis zurück

"... Es ginge darum, die Einreise der Serben und Mazedonier als das zu erkennen, was sie ist: Ein Zeichen, dass dieses Europa, will es sich den Friedensnobelpreis wenigstens nachträglich verdienen, nun endlich beginnen müsste, den Kampf für „Frieden, Demokratie, Versöhnung und Menschenrechte" neu aufzunehmen.
Das hieße heute, für die untragbaren Wohlstands-Unterschiede auf dem Kontinent einen fairen Ausgleich zu suchen - also das Gegenteil des Merkelschen National-Egoismus, der andere noch tiefer in die Krise treibt (und uns, wir merken es nur noch nicht, mit). Es hieße, die humanitären Werte mal im Mittelmeer auszuprobieren, wo das friedenspreis-gekrönte Europa Tausenden Flüchtlingen buchstäblich beim Ertrinken zusieht, weil es gegenüber den Opfern von Krieg und Hunger nichts anderes kennt als Abschottung und Fremdenangst. Es hieße, den Nachbaren auf dem eigenen Kontinent bei der Integration ihrer Minderheiten zu helfen - und dabei klarzumachen, dass Diskriminierung und Ausgrenzung eines künftigen Mitglieds nicht würdig sind.

Wäre EU-Europa zur Umkehr in der Lage - es nähme den Friedensnobelpreis sofort zum Anlass, die Politik von Abschottung und Ressentiment durch eine humanitäre Flüchtlingspolitik und einen glaubhaften Ansatz zur Armutsbekämpfung zu ersetzen. Wirklich „groß" wäre ein Europa, das sich verpflichtete, seine Politik in spätestens fünf Jahren den vom Nobelkomitee gepriesenen Werten auch wirklich anzupassen - und das die Annahme des Preises bis dahin verweigerte.
Eine Utopie? Ja. Und daran sieht man, wie schlecht es steht um die Friedensmacht Europa."

Freitag, 12. Oktober 2012

Malala Yousufzai


© AFP/GettyImages

"I don't mind if I have to sit on the floor at school. 
All I want is education. And I am afraid of no one." 
Malala Yousufzai

Sonntag, 7. Oktober 2012

Buchtipp

Noah Sow, Deutschland schwarz weiß. Der alltägliche Rassismus:


Auszug aus dem Buch:
"Schwarzafrikaner" ist kein diskriminierungsfreier Begriff, weil er nichts aussagt, außer dass die Person Schwarz ist. Interessanterweise wird das Wort oft für Menschen gebraucht, die gar keine Afrikaner sind. Dies ist bereits ein Indiz für den diskriminierenden Charakter des Begriffs, denn die Bedeutung eines Wortes wird ja durch dessen Gebrauch in der Sprache bestimmt. Das Wort bedeutet in Wirklichkeit also "wirklich schwarzer Schwarzer", enthält demnach eine Kategorisierung der "Rasse", impliziert auch, dass die Person besonders "dunkel" sei, und lädt zu vielfältigen Assoziationen ein. Einen Begriff, der eigentlich nichts aussagt, zu verwenden, funktioniert nur, wenn mit dem Begriff automatisch viele Vorstellungen verknüpft sind. Der Begriff "Schwarzafrikaner" sagt ja weder, aus welchem Land die Person kommt, noch, wo sie wohnt, noch wie sie aussieht, noch, was sie tut oder wer sie ist, welcher Kultur sie angehört oder welche Sprache sie spricht.
Würden Sie sagen, es genügt, wenn Sie eine Person, die Sie beschreiben wollen, als "Weißeuropäer" bezeichnen? Finden Sie, dass Sie und Franz Josef Strauß, Heino und Mutter Beimer gemeinsam als Gruppe zusammengefasst werden können, weil Sie alle "Weißeuropäer" sind? Oder verlangen Sie nicht vielmehr, dass, wenn man Sie beschreibt, dabei Ihr Aussehen, Alter und Beruf, vielleicht auch Ihre Herkunft eine Rolle spielen?
Und wieso kommt es Ihnen dann nicht komisch vor, wenn all dies bezüglich Schwarzer Menschen anders gehandhabt wird und "Schwarzafrikaner" eine Personenbeschreibung darstellen soll?
Weil Sie es so gewöhnt sind.
Die offizielle Bedeutung von "Schwarzafrikaner" ist: "Menschen von südlich der Sahara". Wieso nur um alles in der Welt will man all diese Menschen in einen Topf werfen und glaubt, dass das überhaupt möglich ist?
Die traurige Wahrheit: Weil die Tatsache, dass diese Leute Schwarze und Afrianer und "richtig schwarze Afrikaner" sind, den weißen Deutschen schon genügt, um sich ein Bild von ihnen zu machen. Das Wort "Schwarzafrikaner" ist nämlich lediglich eine neuere Version des Begriffs "Neger", der inzwischen allseits - weil offiziell beleidigend - als politisch unkorrekt verstanden wird... (Sow, Noah, Seite 56f)

Homepage zum Buch: Deutschland Schwarz Weiß

Montag, 10. September 2012

Coffee to Go - Mit dem Geschmack der Vertreibung

2001 wurden im ugandischen Bezirk Mubende über 2000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben. Ihre Häuser wurden zerstört, ihr Eigentum geplündert. Die Täter waren keine Banditen oder Rebellen, sondern Einheiten der ugandischen Armee, welche mehrere Dörfer  auf Befehl der ugandischen Regierung mit äußerst brutaler Gewalt räumten. Anlass für die Vertreibung war die Errichtung einer Kaffeeplantage. Dieses von der Regierung geförderte Großprojekt wurde von Kaweri Coffee Plantation Ltd., einer Tochterfirma der deutschen Neumann Kaffee Gruppe (NKG), aufgezogen und sollte als Entwicklungsmotor einer entlegenen und strukturschwachen Region dienen. Den vertriebenen BewohnerInnen wurde keine Entschädigung für den Verlust ihrer Existenzgrundlage gewährt.


Bis heute versuchen die Enteigneten auf politischen und juristischen Wegen ihr Recht auf Land geltend zu machen. Dabei wirkt FIAN unterstützend mit, damit die begangenen Menschenrechtsverletzungen geahndet, die Opfer angemessen entschädigt und das Recht auf Nahrung durchgesetzt werden.

Zehn Jahre nach der Vertreibung rief FIAN einmal mehr dazu auf, die Straflosigkeit zu beenden und die Betroffenen angemessen zu entschädigen. In Österreich machte FIAN am 19.11.2011 im Rahmen des Nyeleni-Europe Forums mit einer Straßenaktion auf diese Unrechtssituation aufmerksam.

(Quelle: fian.at)

Samstag, 1. September 2012

The Resistanc of Asylum Seekers in Germany

500 x 20 Euro: Spendenkampagne für den Protestmarsch der Flüchtlinge nach Berlin
 
Um die Residenzpflicht abzuschaffen!

Um die Abschiebungen zu stoppen!

Um die Flüchtlingslager zu schließen!

Um für uns Flüchtlinge in Deutschland bessere Lebensbedingungen in Würde und Menschlichkeit zu erzielen…

…nehmen wir, die protestierenden Flüchtlinge, es auf uns und werden am 08.09.12 einen 600km langen Weg von Würzburg zu Fuß nach Berlin antreten. Dort werden wir demonstrieren und unsere Forderungen anbringen bis sie erfüllt sind.

Um dieses Vorhaben zu verwirklichen sind wir auf Ihre Solidarität und Ihre finanzielle Unterstützung angewiesen.Bitte spenden Sie! Jeder Betrag ist willkommen, ob 10, 20, 50 Euro oder noch mehr. Bitte helfen Sie uns, diesen Spendenaufruf zu verbreiten! Sprechen Sie FreundInnen, Familie und NachbarInnen auf unseren Marsch an. Gerne auch via Facebook,Twitter und anderen Netzwerke.

Verfolgen Sie unseren Protestmarsch auf unserer Homepage: www.refugeetentaction.net
Ihre Spende ist steuerlich absetzbar! Sie erhalten auf Wunsch eine Spendenquittung.  Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Kontoauszug als Nachweis.

Bankverbindung:
Förderverein Karawane e.V.
GLS Gemeinschaftsbank eG
Stichwort: Protestmarsch Berlin
Kontonummer: 4030780800
Bankleitzahl: 43060967

IBAN: DE28430609674030780800 
BIC: GENODEM1GLS

Freitag, 31. August 2012

Wiener Straßenkunstverordnung verjagt KünstlerInnen

 Artikel auf  derStandard.at 
Straßenkünstler fühlen sich aus Wien verjagt
Eine im Juli umgesetzte Änderung der Wiener Straßenkunstverordnung zeigt ihre Folgen: Künstler, die seit jeher den Stephanspatz, den Graben und die Kärntner Straße in der Innenstadt geprägt haben, sind nun verschwunden.

Ein Marionettenspieler, der seit 20 Jahren an der Ecke zum Graben das Straßenbild dominierte, ist im bereits im Juli nach Salzburg übersiedelt, berichten mit ihm befreundete Straßenkünstler. Auch "Street Life Supreme", die bekannteste Breakdancer-Gruppe vom Stephansplatz, spielen mit dem Gedanken, ihr seit rund 17 Jahren Erfolg bringendes Territorium zu verlassen. Seit zwei Monaten sind sie nun schon nicht mehr aufgetaucht.
(Maria von Usslar, derStandard.at, 29.8.2012)
In dem Artikel gibt es ein auch Video über die Gruppe "Street Life Supreme" und was sie von der neuen Regel halten.

Hier ein Portrait der Gruppe auf YouTube:



Schon im Mai 2012 erschien im Augustin ein Artikel über El Diabolero - ein Profi und Showmaster der Jongleurszene - auch ihn wollte man mit fraglichen Mitteln vertreiben. Hier der Link zum Augustin-Artikel.

Ja. Wien ist anders.

Freitag, 24. August 2012

Das gallische Dorf in der EU

Artikel auf fm4.orf.at/stories vom 21.08.2012:
Ein Lehrer bringt tausende Flüchtlinge in sein Dorf und wird dafür zum Bürgermeister gewählt: Das Gegenmodell zur Festung Europa
Es ist ein gewagter, für manche ein hinkender und für viele wahrscheinlich ein unpassender Vergleich. Ich ziehe ihn hier trotzdem. Wir haben unsere Großeltern gefragt, ob sie vom Massenmord zur Nazizeit gewusst haben und was sie dagegen unternommen haben. Und was werden unsere Enkel uns mal fragen? Sie könnten uns vielleicht fragen, was wir dagegen unternommen haben, dass tausende Bootsflüchtlinge im Mittelmeer sterben, dass sie von der europäischen Grenzschutzagentur Frontex abgedrängt werden, dass sie im überwachten Mittelmeer zwischen Europa und Afrika ertrinken. Was unternehmen wir dagegen, dass Kapitäne oder Fischer, die Flüchtlinge retten und ans Festland bringen, deshalb vor Gericht gestellt werden? Wie verhalten wir uns in der Festung Europa?
 (...)
Domenico Lucano hält seine Cittá Futura für nichts Ungewöhnliches: "Wir haben getan, was zu tun ist. Was wir hier gemacht haben, ist normal. Dass es so außergewöhnlich erscheint, liegt daran, dass die Welt nicht mehr normal ist. Es hat dem Dorf irrsinnig viel Gutes gebracht."
Hier gehts zum vollständigen Artikel. Die Reportage gibts auch zum Anhören (ganz unten auf der Seite).

Dienstag, 21. August 2012

Comics gegen Rechts

Kein Unterschied?

Ein antisemitisch veränderter, ursprünglich rein kapitalismuskritischer Cartoon wurde auf der Facebook-Seite von Heinz-Christian Strache gepostet. Zum Original bestehen mehrere Unterschiede wie eine “Judennase” und Davidsterne als Manschettennknöpfe. Strache und die FPÖ wollen da aber keinen Unterschied und schon gar keinen Antisemitismus sehen.
 
Wir fragen uns, ob sich diese Unfähigkeit der Unterscheidung auch auf andere Gebiete erstrecken könnte…

(größere Bild: hier klicken)











Text/Idee: Harald Havas
Illu (Strache): Jan Limpens


gefunden auf: Comics gegen Rechts

Mittwoch, 15. August 2012

Show your solidarity with Pussy Riot!


say it loud! 
say it clear! 
pussy riot solidarity is here! 
free pussy riot! 

spielt alle am 17.8. um 12:13 MESZ einen pussy riot song!
 
Am Freitag dem 17. August um 15:00 Moskauer Zeit soll das Urteil gegen die seit März inhaftierten feministischen Aktivistinnen von Pussy Riot verkündet werden. Unterstützer_innen und Anwält_innen rufen deswegen zu weltweiten Solidaritätsaktionen auf.

(Quelle: Wikimedia Commons)

Zeigen wir unsere Solidarität! Gemeinsam gegen Repression und Unterdrückung!

Wir werden nicht Schweigen! Verschaffen wir unserer Wut symbolisch Gehör! Setzen wir gemeinsam Zeichen! Spielen wir gemeinsam, egal wo wir sind – ob in der U-Bahn, auf der Strasse, in der Arbeit – einen Pussy Riot Song ab!  

Ladet euch dieses MP3 herunter und spielt es - privat oder öffentlich - am 17.8. um 12:13 MESZ = 10:13 UTC/GMT (14:13 MSK / Pussy Riot sind nach § 213 angeklagt) ab! Verbreitet die Idee der Aktion weiter! Bringt Radiostationen, Künstler_innen dazu mitzumachen! Berichtet auf sozialen Netzwerken und Co.! Wir sind viele!

Free Pussy Riot!

Montag, 13. August 2012

Crowdsourcing Resistance

Heute möchte ich einen Webseite namens crowdsourcing resistance vorstellen. Auf dieser Seite werden ernste, lustige, aber vor allem befreiende Erfahrungen des alltäglichen Widerstands geteilt. Aufmerksam geworden bin ich auf die Seite durch einen Artikel von jetzt.de der Südeutschen Zeitung: Die Ignoranz. Das Weghören und das Wegsehen. Fünf Protokolle über erlebten Alltagsrassismus in Deutschland.

Auf crowdsourcing resistance ist folgende Einleitung zu lesen:
Wo es Unterdrückung gibt, da gibt es Widerstand - teile Deinen! Rassismus, Sexismus, Ableismus etc äußern sich in giftigen Ausbrüchen von alltäglicher Gewalt. Ob Mikro- oder Makroaggression, ob eine Beleidigung, strukturelle Gewalt oder körperliche Angriffe, wir finden unzählige Wege, unsere Würde durch Widerstand zu behaupten. Teile Deine Erfahrungen, die bewussten Entscheidungen, die Du getroffen hast, um selbstbestimmt handeln zu können. Ob Du widersprochen hast, zurückgeschlagen hast oder die Aggressor_innen ignoriert hast - Dein Widerstand wird andere inspirieren und ermächtigen.
Was Du hier teilst, erweitert Wahlmöglichkeiten und macht eine neue Freiheit erfahrbar - mit jeder geteilten Widerstandgeschichte ein wenig mehr.
Einen Erfahrungsbericht möchte ich auch hier teilen:
"Morgens in der Regionalbahn durch den Osten trifft man ja öfter mal auf freilaufende Rechtsradikale. Dieses Exemplar war in Thor-Steinar-Klamotten gekleidet, fuhr zur Arbeit und hatte einen Sitzplatz neben sich frei. Mit strahlendem Lächeln setzte ich mich ohne Wort genau neben ihn und missachtete seine persönliche Wohlfühldistanz. Aus irgendeinem Grund finden sie das ganz schrecklich. Wir verbrachten ca. 20 min. miteinander und ich erfreute mich an den Nöten, die eine solche physische Nähe zu einem Schwarzen ihm brachte."


Donnerstag, 9. August 2012

Tag der Indigenen Völker

Der Internationale Tag der indigenen Völker wird jedes Jahr am 9. August begangen, um ein Bewusstsein für die Probleme zu schaffen, denen indigene Völker gegenüberstehen und zu helfen, die Einhaltung ihrer Menschenrechte zu verbessern. 

Survival International veröffentlicht anlässlich des 18. Internationalen Tages Indigener Völker eine Fotogalerie mit Luftaufnahmen indigener Gemeinschaften.

Jäger des kenianischen Massai-Volkes.
© Caroline Halley des Fontaines/Survival

Die 370 Millionen Indigenen teilen sich auf etwa 5000 verschiedene Völker auf, die in 70 Staaten leben. Sehr bekannt sind zum Beispiel die Inuits in Kanada oder die Aborigines in Australien. Aber auch in vielen anderen Ländern gibt es Indigene. Sie haben oft mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen und leiden unter Unterdrückung. Beispiele hierfür sind die Zerstörung des Lebensraums, Landraub, diskriminierendes Verhalten von Polizei und Militär und extrem schlechte Lebensbedingungen.

- Durch illegale Abholzung wird den Indigenen im Norden Brasiliens der Lebensraum genommen. Sie leben oftmals von der Landwirtschaft und sind auf ihr Land angewiesen. Die Polizei schreitet auch bei gewaltsamen Übergriffen von Landräubern nicht ein.

- Zwei indigene Völker in Paraguay leben schon seit Jahren in menschenunwürdigen Verhältnissen ohne sauberes Trinkwasser, genügend zu essen und ohne eine gute Gesundheitsversorgung. Paraguay weigert sich, ihnen ihr gestohlenes Land zurückzugeben .

- In Mexiko werden Angehörige indigener Völker viel öfter Opfer von Folter, Vergewaltigungen und Hinrichtungen durch Soldaten. Die Militärjustiz verurteilt solche Fälle nur selten.

Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Bis zur Gleichberechtigung der indigenen Völker ist es noch ein weiter Weg.



We're only asking for what is ours



Montag, 6. August 2012

Stopp dem Migrationsabkommen von Italien mit Libyen

Im April hat Italien mit Libyen ein Abkommen zur Migrationskontrolle abgeschlossen. Durch das Abkommen wird Italien weiterhin Menschen ohne Überprüfung ihres Flüchtlingsstatus' auf hoher See aufgreifen und sie nach Libyen zurück schicken. Dort riskieren sie in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden, wo ihnen oftmals Folter oder schwere Misshandlung droht.

Fordere die italienische Innenministerin auf, das Abkommen sofort aufzuheben!

Hier Menschenrechte von Flüchtlingen schützen!

www.amnesty.at/flucht
Hintergrundinformation

Mindestens 1.500 Männer, Frauen und Kinder sind im vergangenen Jahr auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Etliche dieser Todesfälle wären vermeidbar gewesen, so das Ergebnis des Amnesty Berichts "S.O.S. Europe - Human Rights and Migration Control".
Er wendet sich v.a. gegen das neue Migrationsabkommen zwischen Italien und Libyen. Diese Vereinbarung bestätigt, dass Italien die bilaterale Zusammenarbeit mit Libyen bei der Kontrolle der Migration wieder aufgenommen hat, und zwar auf die Gefahr hin, dass die Menschenrechte von MigrantInnen, Flüchtlingen und Asylsuchenden schwerwiegend verletzt werden. Amnesty International fordert, dass Europa ihrer Verantwortung für MigrantInnen in Seenot endlich gerecht wird. Die europäischen Staaten müssen alle nötigen Maßnahmen bei der Seenotrettung treffen, um dem Sterben im Mittelmeer ein Ende zu bereiten. 


FESTUNG EUROPA
 
Europas Migrationspolitik wird von Tag zu Tag restriktiver. Oberstes Ziel ist es, die europäischen Grenzen für so genannte "irreguläre Migrantinnen und Migranten" möglichst unpassierbar zu machen. Aus diesem Grund werden die Kontrollen an den Außengrenzen Europas erheblich verschärft. Da diese Einschränkungen jedoch nicht ausreichen, um die "illegale Einwanderung" zu stoppen, lagern die europäischen Staaten ihren Kampf gegen die unerwünschten Migrantinnen und Migranten aus oder delegieren ihn an die Staaten an den Außengrenzen Europas. Länder wie Libyen werden dabei unter Druck gesetzt, damit sie die Rolle der "Grenzwärter Europas" übernehmen. Als Außenposten Europas sollen sie die Migration aufhalten.

FRONTEX

Frontex ist die Agentur für die operative Zusammenarbeit europäischer Staaten zur Sicherung der gemeinsamen Außengrenzen. Um Migrantinnen und Migranten daran zu hindern, die Grenzen zu Europa zu passieren, setzt Frontex gemeinschaftliche Helikopter und Schiffe ein, bildet Grenzwachen aus und führt Kontrollen durch. Bei mehreren Operationen wurden Boote mit MigrantInnen auf hoher See abgefangen und zum Umkehren gedrängt.