Mittwoch, 14. Dezember 2011

Migration im Schulbuch

Sehr wichtiges Projekt in Österreichs Schulen über Klischees im Klassenzimmer gestartet:

Im Zentrum des Projekts „Migration(en) im Schulbuch“ steht die Erfassung und kritische Analyse der in aktuellen österreichischen Schulbüchern vermittelten Migrationsnarrative und Repräsentationen von „Menschen mit Migrationshintergrund“.

Welche österreichischen und europäischen Migrationsgeschichten werden in den Schulbüchern tradiert, welche werden marginalisiert oder „vergessen“? Auf welche Weise werden „Menschen mit Migrationshintergrund“ dargestellt?

Dies sind einige der inhaltlichen Fragen, denen im Rahmen des Projektes nachgegangen wird. Durch die Zusammenarbeit von Wissenschafter_innen, Lehrer_innen und Schüler_innen wird darüber hinaus ein besonders innovativer Beitrag zur Schulbuchforschung geleistet. Die unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Migration, die von Schüler_innen und Lehrer_innen eingebracht werden, sowie ihr Expert_innenwissen im Umgang mit Schulbüchern reduzieren die Gefahr des einseitigen Wissenschafter_innenblicks und können methodisch und analytisch nutzbar gemacht werden.


Erste Ergebnisberichte werden Anfang März 2012 veröffentlicht.

Artikel auf derStandard.at:

"In einem Biologiebuch wird noch immer der 'Rasse'-Begriff verwendet", schildert Christa Markom vom Ludwig-Boltzmann-Institut ein Beispiel. "Bei den Workshops hat sich dann gezeigt, dass auch die meisten Schüler davon überzeugt waren, dass es Menschenrassen gibt." Auch "Volk", "Schwarzafrika", "Buschmänner", "Indianer" und "Eskimo" sind nach wie vor gängig - wenn auch oft mit kritischen Erklärungen versehen, wie die Kultur- und Sozialanthropologinnen betonen.

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Ausschnitt aus dem Buch "Afrika und die deutsche Sprache" von Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.), Seite 204f:

Schwarzafrika

Der Begriff "S." ist im Kontext von Kolonialismus und Rassismus entstanden. Er baute auf dem rassistischen Ansatz auf, Menschen in Rassen unterteilen und diese hierarchisieren zu können. Dabei wurde versucht, die Rassentheorie kulturtheoretisch zu untermauern (...)

Mit dieser Charakterisierung des "subsaharischen Afrika" als geschichtslos und unterentwickelt wurden die europäischen Länder und Kulturkreise gleichzeitig aufgewertet sowie transatlantischer Sklavenhandel und koloniale Herrschaftsverhältnisse implizit legitimiert. Durch das Bestehen auf eine Unterscheidung zwischen dem nördlichen Afrika, im kolonialen Kontext auch "Weißafrika" genant, und dem restlichen Afrika wird zudem so getan, als handele es sich beim nördlichen wie auch nicht-nördlichen Afrika um homogene Räume. Dabei wird die kulturell, sprachliche, religöse usw. Pluralität dieser Großregionen ignoriert (...)

Gelegentlich wird "S." auch in Kontrast zu einem als "weiß" konzipierten Europa verwendet. Dabei wird die Existenz Schwarzer Euopäer/innen negiert und Europa als rein Weißer Kulturraum konstruiert.
Auf den Begriff "S." sollte verzichtet werden. Auf der oft alternativ verwendete Begriff "subsaharisches" Afrika ist keine wirkliche Alternative. Auch wenn hier der rassentheoretische Ansatz nicht mehr explizit zum Ausdruck kommt, wird trotzdem auch suggeriert, das Afrika südlich der Sahara sei ein homogener Raum(...)
Des Weiteren muss immer überlegt werden, ob wirklich alle Länder Afrikas südlich der Sahara gemeint sind und an welchen Kriterien das festgemacht wird.

"Worte können sein wie winzige Arsendosen. Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da." (Klemperer, Victor 1987)


Sunnivah_


Kommentare:

  1. Hatschi Bratschis Luftballon haben sie zum Beispiel abgeändert...
    http://members.aon.at/zeitlupe/hatschibratschi2.html
    Das ist eins der wichtigsten Basis-Themen unserer Zeit finde ich. Aber sehr schwierig. Natürlich muss man Kindern Unterschiede erklären die sie erkennen und wonach sie fragen. Es müsste aber für die älteren Generationen schon natürlicher, normaler sein um diese Selbstverständlichkeit an die Kinder weiterzugeben. Mit political correctness würde ich nicht beginnen bei Kindern. Aber ihnen erklären, was warum anders ist. Dass das aber ok und normal ist, vielleicht sogar spannend, in keinem Fall furchteinflößend. Und ab dann sollte es als normal angesehen werden, nicht mehr extra unterschieden werden zwischen Hautfarben u.Ä. Vielleicht kann man aber auch gleich mit den derzeit "korrekten" Begriffen beginnen, bei "Schwarzen" würde ein Kind vielleicht sogar eher einen menschlichen Begriff finden. Die Hautfarbe ist ja nicht wirklich schwarz und mit Afrika wird das Kind auch keine Verbindung herstellen. Ich finde aber man braucht das Ganze vielleicht erstmal gar nicht, es sind doch alles Menschen. Die Namen haben, Eigenschaften usw. Damit kann man doch jeden viel besser beschreiben und unterscheiden. Damit sollte man schon bei Kindern beginnen. Dass alle Menschen Menschen sind und jeder für sich unterschiedlich ist. Was meinst du? Was meinen andere?

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  2. war von deinem Post so motiviert und angeregt - wie mein langer Kommentar schon merken lässt ;) - dass ich auch was dazu gepostet hab. Hab dich natürlich vermerkt und verlinkt. GLG http://greenlifeonline.wordpress.com/2011/12/25/begreifen-sprache-und-integration/

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