Sonntag, 9. Oktober 2011

Buchtipp

Bilal ist ein Illegaler, unterwegs auf einer der berüchtigsten Transitrouten von Afrika nach Europa. Bilal ist Fabrizio Gatti, der renomierte italienische Journalist, der sich unter diesem Namen als Migrant unter die anderen gemischt hat, um zu erleben, was sie erleben, und davon zu erzählen.

Auszug aus dem Buch:

Hundertzweiundachtzig Köpfe bewegen sich im Rhythmus der ächtzenden Federung. Hundertzweiundachtzig Leben, deren Zukunft hier auf dem Spiel steht. Wie die Geschichte der letzten Jahre zeigt, erreichen zwölf Prozent der Menschen, die von Libyen und Tunesien aufbrechen, Europa nicht. Zwölf Prozent kommen auf der Überfahrt um. Einige gehen über Bord. Einige werden ins Meer geworfen. Wieder andere verhungern und verdursten, wenn die Boote vom Kurs abkommen. Und wieder andere gehen mitsamt dem Boot unter (...)

Zwölf Prozent bedeutet, dass von den hundertzweiundachtzig Passagieren unseres Lkws zweiundzwanzig sterben werden. Und wenn bei uns alle überleben, werden vielleicht vierundvierzig Menschen des nächsten umkommen. Oder sechsundsechzig des übernächsten.

Bericht auf derFreitag (mit Leseprobe).

Das Buch ist sehr lesenswert, weil der Autor genau beschreibt welche Beweggründe und Geschichten hinter den Menschen aus Afrika stecken. Warum brechen sie auf, obwohl sie wissen, wie gefährlich die Reise ist? Welches Bild haben sie von Europa? Gatti ist den ganzen Weg von Senegal nach Libyen nachgerreist und er beschreibt auch die Route durch die Wüste, die man zuerst überleben muss, um dann überhaupt an Bord eines der kleinen Fischkutter zu gelangen, die sich auf den Weg nach Europa machen.

Es fehlt mir an Worten, um dieses Buch zu beschreiben, aber es gibt einen Einblick in die Erlebnisse von vielen Menschen, die wir sonst vielleicht nie zu hören bekommen würden...

Sunnivah_

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