Samstag, 17. September 2011

Wegwerfmenschen: Sklaverei heute

Am Donnerstag, 15. September wurde auf 3sat in der Sendung "Scobel" ein Beitrag mit dem Titel "Wegwerfmenschen: Sklaverei heute" gezeigt. Scobel wird jeden Donnerstag um 21:00 Uhr ausgestrahlt.


(Sklavenmarkt, Bildquelle: © dpa)

"Ich begreife Fernsehen als ein Medium der Bildung, das auch dazu da ist, Erkenntnis zu vermitteln und Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt zu bieten", sagt Moderator Gert Scobel.

Zum Inhalt: In Haiti kostet ein Mädchen 50 Dollar, in Indien leben so genannte Schuldknechte, die ihr Leben verpfändet haben, bereits in der dritten Generation in einem sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnis. Obwohl die Sklaverei weltweit als abgeschafft gilt, schätzen ExpertInnen die Zahl der Menschen, die gegen ihren Willen zum Zweck der Ausbeutung gefangen gehalten werden, auf etwa 30 Millionen. Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen darüber, wie moderne Sklaverei entsteht und was dagegen getan werden kann. Eine Diskussion mit Petra Follmar-Otto (Menschenrechtlerin), Corinna Milborn (Journalistin) und Michael Zeuske (Historiker).

Buchtipps aus der Sendung:

- Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa
von Mary Kreutzer und Corinna Milborn
- Sklaverei von
Lydia Cacho

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Und hier der Link zur Sendung aus der 3sat Mediathek. Der Beitrag ist auch schon auf YouTube zu finden.

Sunnivah_

Donnerstag, 15. September 2011

Australien

Transsexualität in australischen Pässen

Australische Pässe bieten ab sofort drei Geschlechtsoptionen: männlich, weiblich und unbestimmt. Mit dem Schritt will die Regierung der Diskriminierung von Transsexuellen entgegentreten. Transsexuellen und Menschen unbestimmten Geschlechts ist es künftig gestattet, ihr Geschlecht mit einem "X" registrieren zu lassen, sofern eine ärztliche Bescheinigung hinzugefügt wird, teilte die Regierung mit.

Bisher waren nur die Optionen männlich und weiblich vorgesehen.

(Quelle: APA, Bildquelle: RainerSturm/pixelio.de)

Montag, 12. September 2011

Bulb Fiction

Das EU-weite Verbot der Glühlampe sorgte für große Aufregung. Seit September 2009 tritt das schrittweise Verbot in Kraft, dieses Jahr im September wurde die 60 Watt Glühlampe verbannt - bis 2016 geht es weiter, dann dürfen auch Halogenlampen nicht mehr produziert werden.

Lagervorräte in Geschäften werden nun hervorgekrammt und die Menschen stürzen sich auf die Mangelware. Grund des Verbots ist schlicht und einfach das Energie sparen. Doch es gibt auch Kritik:

- die Wirkung eines Glühlampenverbotes auf den CO2-Ausstoß sei allenfalls mittelbar wirksam,
- in den Energiesparlampen befindet sich giftiges Quecksilber,
- Energiesparlampen müssen entsorgt werden und können nicht mehr wie die bisherigen Glühlampen mit dem Hausmüll entsorgt werden.

Ein weiterer Aufschrei: Gleich nach dem Verbot in diesem Jahr wurde bekannt, dass der Preis bei Energiesparlampen deutlich ansteigen wird - zum Teil um 25 Prozent (Spiegel online).

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Am 16.9.2011 startet der Dokumentarfilm "Bulb Fiction" in Österreichs Kinos. Was steckt dahinter?

Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten“ zu portraitieren. Es geht um die Macht der Industrie und ihrer Lobbys, die Verstrickung der Politik in diese Machtstrukturen, um Profit und Scheinheiligkeit, um bewusste Fehlinformation.

Es geht aber auch um die prinzipielle Frage, ob die Qualität des visuellen Umfelds, und somit unsere Lebensqualität, anderen Belangen ohne weiteres unterzuordnen ist. Die Güte des uns umgebenden Lichts stellt einen nicht zu unterschätzenden Wert dar, ein Wert, den man nicht am Altar eines reinen Umweltgewissens unüberlegt opfern sollte.


Christoph Mayr ist Regisseur von "Bulb Fiction" und gab über den Film ein Interview (derStandard.at).

"Der Film will den Konsumenten informieren, mit Wissen zum Thema ausstatten, seine Wachsamkeit schärfen, ihn zu mündigem Verhalten ermuntern, und um ihn zum Widerstand gegen Fremdbestimmung aufzurufen."

So steht es auf er Homepage von bulb fiction.

Auf dieser Seite wird auch ganz allgemein über "Lichtfragen" aufgeklärt, so wie "Harte Fakten" seit dem Verbot nachgegangen. Der Trailer ist hier zu sehen:



Die Glühlampe spaltet die Geister - sie hat sowohl vehemente BefürworterInnen, als auch GegnerInnen. Der Film ist sicher interessant und bietet neuen Zündstoff für weiter folgende Diskussionen.

Sunnivah_


Sonntag, 11. September 2011

Freiheit oder Sicherheit

Heute jähren sich die Anschläge vom 11. September zum 10. Mal... überall in den Medien ist das Thema 9/11 wieder präsent. Ein ARTE Themenabend beschäftigte sich mit den Anti-Terror-Gesetzen, die in Regierungen in den USA und Europa nach jedem Anschlag neu entwickelt werden und welche Folgen diese Entwicklungen haben. Prominente Fälle, bei denen Menschen durch Verfehlungen in das Netz des Antiterrorkampfes gerieten werden behandelt:



ARTE Themenabend vom 6.9.2011:

So wurde der 22-jährige Nottinghamer Doktorant Rzwaan Sabir verhaftet, weil er von einer Internetseite des US-Justizministeriums für seine Abschlussarbeit ein Trainingshandbuch der Al Qaida heruntergeladen hatte. Das machte ihn für die britische Polizei zum Terrorverdächtigen, die ihn daraufhin sechs Tage im Gefängnis festhielt.

In Frankreich sitzt der französisch-algerische Kernphysiker Adlène Hicheur seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt gemeinsam mit der maghrebinischen Al-Quaida Anschläge in Europa vorbereitet zu haben. Beweise dafür gibt es bis heute keine.

Aufgrund von vagen Verdächtigungen wurde 2007 der deutsche Stadtsoziologe Andrej Holm verhaftet. Das BKA hatte den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main der Zugehörigkeit einer linken militanten Gruppe zugeordnet und wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung drei Wochen in Untersuchungshaft festgehalten. Eine internationale Kampagne von Journalisten, Philosophen und Wissenschaftlern hatte sich für ihn eingesetzt. Auch der prominente Soziologe Richard Sennett kämpfte in einem offenen Brief "Guantánamo in Germany" an die Generalbundesanwaltschaft um Holms Freilassung, veröffentlicht am 21.08.2007 im Guardian.

Auch in Frankreich werden aufgrund der neuen Anti-Terror-Gesetze verstärkt linke Aktivisten auf Verdacht hin für unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft genommen.
Im November 2008 sorgte der Fall der "Tarnac 9" für Aufsehen. Neun junge Menschen wurden auf einem Bauernhof in Tarnac verhaftet, mit dem Verdacht terroristische Anschläge zu planen, beziehungsweise durchgeführt zu haben. In den Wochen zuvor wurden TGVs der Linien Paris-Lille und Paris-Strasbourg mit sogenannten Hakenkrallen blockiert.
Acht der Verdächtigen wurden bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Allein Julien Coupat saß wegen Verdachts auf "Bildung einer kriminellen Vereinigung mit terroristischen Zielen" über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Die dünne Beweislage und der Vorwurf des Terrorismus führten zu Protesten von Juristen, Journalisten und auch von Polizisten. Giorgio Agamben und andere Philosophen schrieben in einem offenen Brief, die Angeklagten seien nur deshalb verhaftet worden, weil sie politisch aktiv gewesen seien: "Sie haben an Demonstrationen teilgenommen, sie denken nach, lesen Bücher, leben gemeinsam in einem Dorf.“

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Artikel: Zwischen Freiheit und Sicherheit (Deutschlandfunk)
Folge des Terrors (Welt online)
"Vorratsdaten gefährden Ihre Privatsphäre" (derStandard online)

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Sunnivah_

Freitag, 9. September 2011

Sorry George...



Eine Kampagne von Solidar Suisse:

Wenn es nach Nespresso ginge, würde niemand diesen Werbespot mit George Clooney zu sehen bekommen. Niemand würde George Clooney verraten, dass der leckere und teure Kaffee aus den Kapseln alles andere als fair gehandelt ist. Und genau deshalb sollten wir genau das tun! George persönlich schreiben können Sie auf http://www.solidar.ch

Nachtrag:
Medienecho auf die Aktion
Fairtrade - What else?

Sunnivah_

Donnerstag, 1. September 2011

Explosive Berichterstattung

Man darf sich ja von Sendern wie RTL nicht viel erwarten, doch das TV-Magazin RTL-Explosiv vom 19.08.2011 treibt es wieder einmal auf die Spitze. Da ich selbst keinen Fernseher besitze, bin ich über einen Bericht auf derStandard aufmerksam geworden:

"Der Bericht versucht tatsächlich jedes Klischee über Gamer in fünf Minuten unterzubringen. Gleich zu beginnt sieht man maskierte Männer mit Plastikgewehren, die am Weg zur Gamescom sind und den stereotypischen zockenden Amokläufer darstellen sollen. In den Interviews werden nur Fragen zur Körperhygiene und der Beziehungssituation der Besucher gestellt."

Auf YouTube kann der Beitrag weiterhin aufgerufen werden, siehe hier.

Natürlich sind die Wogen - vor allem auf Seiten von SpielerInnen - hoch gegangen. Verständlich. RTL Explosiv verurteilt Männer mit langen Haaren, die übrigends sehr schön gepflegt waren, Menschen, die sich mit ihren Kleidern nicht nach den "neusten Trends" aus Hochglanzmagazinen halten und vor allem ist es für RTL unerklärlich, warum die Spieler mehr an den Computerspielen interessiert sind, als an Frauen in Miniröcken. Denn selbst trotz einer eher lahmen Entschuldigung von RTL-Explosiv gab es in einer anderen RTL Sendung (Punkt 6) einen weiteren Beitrag, der sich wieder mit Klischees über Computerspieler beschäftigt:

"Zwei Frauen wurden auf die Gamescom geschickt, um zu testen ob die Besucher nicht nur Augen für die Spiele sondern auch für Frauen haben, laut RTL ging keiner der Spieleinteressierten mit den Damen auf ein Eis, sondern wollten sich lieber über die Spiele informieren (derStandard)."

Der Bericht von Punkt 6 auf YouTube, hier.

Ist doch sehr sympathisch, wenn Mann sich nicht von einer x-beliebigen Tussi blöd anmachen lässt, die glaubt sie kann alle Männer abschleppen. Aber was sagt das über das Frauenbild bei RTL aus?

giga.de hat im Gegenzug mit den gleichen Methoden einen Bericht über RTL-MitarbeiterInnen gemacht - sehr empfehlenswert:



Ein interessantes Detail am Rande, Nazan Eckes, Moderatorin von Explosiv, die den Beitrag unter anderem mit den Worten „echte komische Gestalten" einleitete, führte im März 2011 durch die Verleihung des Deutschen Computerspielpreises (derStandard).


Sunnivah_