Samstag, 6. August 2011

Umweltkatastrophe in Nigeria

Die Thematik ist ja schon längst bekannt - immerhin gibt es die Schäden schon seit Jahrzehnten - nach zwei Jahren Studienzeit kommt nun auch die UNO (endlich) auf das gleiche Ergebnis: "Ölförderung in Nigeria richtet riesige Umweltkatastrophe an" lautet ein Artikel in "Der Standard". Jetzt ist es wenigstens offiziell: "UNO bezeugt mit Studie Öl-Katastrophe im Nigerdelta".

Hier der Artikel:

Die seit Jahrzehnten laufende Ausbeutung der riesigen Ölvorkommen im westafrikanischen Nigeria tichtet einer UN-Studie zufolge schwerste Umweltschäden an. Um die Natur in der besonders ölreichen Region Ogoniland im Nigerdelta zu retten, seien die umfangreichsten und längsten Aufräumarbeiten aller Zeiten vonnöten, erkärt das UN-Umweltprogramm UNEP am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie. Sie könnten 25 bis 30 Jahre dauern. UNEP empfahl die Einrichtung eines Sonderfonds für Ogoniland, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar (gut 700 Millionen Euro) einzahlen sollten.

Das Umweltprogramm untersuchte das Ausmaß und die Folgen der Ölförderung in der Region für seine Studie zwei Jahre lang. Naturschützer machen seit Jahren auf die dortige Umweltkatastrophe aufmerksam. Ogoniland ist quasi mit Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen übersät. Das Trinkwasser, die Böden und große Mangrovenwälder sind dort extrem verschmutzt. Vielerorts liegt Ölgestank in der Luft.

Wie Medien berichten, wurden in einem Dorf schwere Benzolverschmutzungen im Trinkwasser nachgewiesen. Der internationale Grenzwert werde dort um das 900-Fache überschritten. In anderen Fällen wurden Stellen entdeckt, an denen Öllecks bereits 40 Jahre lang nicht gesäubert worden waren. (Der Standard, SA./SO,. 6./7. August 2011, Seite 6)


Allerding (Zitat aus der ARTE-Doku "Und ewig währt die Ölpest", 2011):

Das Umweltprogramm der UNO sucht seit 3 Jahren nach den Schuldigen - die ersten Ergebnisse ließen die Umweltschützer aufschreien: Die UNO behauptete, dass 90 % der Verschmutzungen auf Öldiebstähle zurück gingen und nur 10 % auf die Nachlässigkeit der Ölgesellschaften. Aber für die Umweltschützer besteht kein Zweifel, dass hier tief im Regenwald die mangelnde Wartung der Pipelines für die vielen Lecks verantworlich ist.

Murphy Akiri, Umweltschützer Friends of the Earth: "Das (Anm.: offenes Ölleck) dauert jetzt schon ein Jahr, also was reden die? Versuchen Sie hier einmal Wasser zu finden. Was soll das? Würden die Dorfbewohner etwa ihr eigenes Land verschmutzen? Glauben die Verfasser des Berichts im Ernst, die Leute hier würden sich selbst schaden? Das ist falsch. Die Ölgesellschaften sind mit den Regierungen liiert und genau diese Regierung bittet die UNO um einen Umweltbericht? Diese Leute von der UNO setzen sich in ihre klimatisierten Konferenzräume, reden, trinken Tee, gehen zu einer Dinner-Party, essen etwas Schönes und machen es sich bequem. Sind sie herkommen in diese Dörfer? Haben sie das alles mit eigenen Augen gesehen? Diese Berichte haben doch die Ölgesellschaften selbst geschrieben."

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Hier eine Interessante Film- und Artikelauswahl:

Die Flammen Shells brennen in Nigeria als Höllenflamme (www.initiative.cc)

Erdöl-Reichtum ist für Afrikas Kinder ein Fluch und kein Segen (newsclick.de 2009)

Die vergessene Ölkatastrophe in Nigeria (ZDF, YouTube)

Und ewig währt die Ölpest (ARTE, 2011)

Abgefackelt - Wie Ölkonzerne unser Klima killen (ARTE, YouTube)

Buchtipp: Kronberger, Hans. Blut für Öl. Der Kampf um die Ressourcen. 1998

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Sunnivah_

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