Donnerstag, 28. April 2011

Green Capital

Hamburg zeigt vor, wie "grün" geht


Im Container-Terminal Altenwerder heben die riesigen Kräne die Container von den Überseeschiffen und laden sie auf AGVs (Automated Guided Vehicles), die über in Boden eingelassene Transponder selbst ihren Weg zum Container-Lagerplatz finden. Dahinter liegen die Gleise zum Weitertransport der Güter nach ganz Europa. 70 Prozent der Güter verlassen den Hafen mittlerweile mit der Bahn - mehr als doppelt so viel wie in Rotterdam.

Häfen, wie jener der diesjährigen europäischen Umwelthauptstadt Hamburg, werden meist nicht mit Klimaschutz in Zusammenhang gebracht. Und doch hat die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) seit einigen Jahren ein eigenes Programm für nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaften. Das reicht von klima- und flächenschonenden Technologien über den Einsatz ausschließlich erneuerbarer Energie für die Betriebsgebäude und LED-Leuchten bis zu einer eigenen Plattform für Fahrgemeinschaften der Mitarbeiter.

Faulgase abgefackelt

"Wir haben eine Umfrage im Unternehmen gemacht, welche Klimaschutzmaßnahmen wir ergreifen können", erzählt Jan Hendrik Pietsch, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der HHLA, "300 Vorschläge kamen zurück." So ist Pietschs Mitarbeitern aufgefallen, dass die Faulgase einer städtischen Kläranlage abgefackelt werden - heute wird damit der Container-Terminal Tollerort emissionsfrei beheizt. Aus aussortierten Lebensmitteln wie etwa Bananen, die nicht in den Handel kommen, wird Biogas erzeugt.

Insgesamt konnte die HHLA ihre CO2-Emissionen seit 1990 um 30 Prozent senken, bis 2015 sollen es weitere zehn Prozent sein. "Obwohl wir nach der Krise im Vorjahr wieder um 20 Prozent mehr Umschlag hatten, blieb der CO2-Ausstoß mit 88.000 Tonnen gleich niedrig", sagt Pietsch.

Elbe wieder sauber

Hamburg hat die EU-Kommission davon überzeugen können, dass es auch einer Hafen- und Industriestadt möglich ist, "grün" zu sein. Dabei war die Elbe zu Beginn der Ende der 1980er-Jahre eine derart verschmutzte Brühe, dass für sie eine eigene, achte Kategorie bei der Gewässergüte eingeführt werden musste - "ökologisch zerstört". Heute hat der Fluss wieder Badewasserqualität, und die norddeutsche Metropole ist in diesem Jahr "Umwelthauptstadt Europas", hat mit ihrer Bewerbung unter anderem die Ökomusterstädte Stockholm, Oslo und Kopenhagen, aber auch Wien ausgestochen.

Gute Öffis, viele Radfahrer

"Als wir uns bewarben, wussten wir, dass wir gut sind, wir wollten aber schauen, wie es im Vergleich aussieht", sagt Jennifer Wesche von der Behörde für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Es hat sehr gut ausgesehen: Hamburg konnte die EU-Jury mit hohen Umweltstandards in allen zehn Kategorien überzeugen - unter anderem mit einer Senkung des CO2-Ausstoßes um 15 Prozent seit 1990, obwohl die Stadt stetig wächst. Weiters punktete Hamburg mit seinen Öffis - 99 Prozent der Einwohner leben weniger als 300 Meter von einer Bus- oder Bahnstation entfernt. Die Trinkwasserqualität ist hoch, der Verbrauch niedrig und die Einleitungen der städtischen Kläranlagen gehören zu den saubersten Zuflüssen der Elbe.

Auch ökologische Strategien für die Zukunft spielen bei der Vergabe des Titels "Green Capital" eine wichtige Rolle. Die Jury bewertete die Klimaschutzziele der Stadt (Senkung des Kohlendioxidausstoßes um 40 Prozent bis 2020), die Steigerung des Radverkehrs von zwölf auf 18 Prozent und innerstädtische Wohnbauprojekte wie die HafenCity, die die Zersiedelung ins Umland eindämmen sollen, als besonders positiv.

Den letzten Ausschlag für die Entscheidung für Hamburg gab der Train of Ideas - eine mobile interaktive Ausstellung zu BestPractice-Modellen bei Umweltschutz und Stadtplanung -, der heuer insgesamt 18 Städte anfährt. Diese Woche ist der Ausstellungszug in Kopenhagen, danach geht es nach Malmö. Von 20. bis 22. Juni wird der "Train of Ideas" in Wien auf dem Bahnhof Heiligenstadt haltmachen. Die Begründung: Wien habe mit dem "ÖkoKauf"-Konzept , wonach alle Einkäufe der Stadtverwaltung nach Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit getätigt werden, "Vorbildcharakter für andere Städte Europas".

(Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD Printausgabe, 28.4.2011)

Offizielle Homepage der Umwelthauptstadt

Zug der Ideen - Video

Dienstag, 26. April 2011

25 Jahre Tschernobyl

Weltweites Gedenken an Atomkatastrophe Tschernobyl

Am 26. April 1986 war der Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl bei einer Notfallübung explodiert. Bei dem Super-GAU hatten Flammen radioaktives Material kilometerhoch in die Luft geschleudert. Die Strahlenwolke hatte sich auch über weite Teile Westeuropas ausgebreitet. Bis heute sind Böden durch damalige Regenfälle mit radioaktiven Stoffen wie etwa Cäsium-137 belastet. Das Strahlengift kann Krebs und andere Krankheiten erzeugen. So wurde in den betroffenen Regionen ein massiver Anstieg der Kindersterblichkeit und bei Krebsfällen registriert. (APA)


Artikel:

Ein Stahl-Sarkophag für Tschernobyl (Zeit online 2010)
Dubioser Tschernobyl-Roman (Spiegel online 2011)
Tschernobyl-Tourismus (FAZ 2011)
Stadt Prypjat (Wikipedia)

Videos:
Atomausstieg: Kampf um Öffentlichkeit (NDR)
Atomkraft: Anwohnersorgen (WDR)
Krebs durch Atomkraftwerke - Gefahr auch durch Niedrigstrahlung (WDR)

Sonntag, 17. April 2011

Il corpo delle donne

Fast täglich sind wir diesen Bildern ausgesetzte: auf Plakatwänden, in Zeitschriften, im Internet oder im Fernsehen - der "perfekte" Körper der Frau. Perfekt gestylt, "Idealmaße", immer lächelnd, keine Falten.

Dieses Bild wird uns durch sämtliche Medien vermittelt, es fällt vermutlich gar nicht mehr auf, so alltäglich ist es. Fakt ist auch: viele junge Mädchen treibt dieser Körperwahn in die Magersucht oder Depression. Es ist ein unrealistisches Bild, die Frau wird zum Lustobjekt degradiert, der Körper ist alles was zählt...

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Initiative S-O-ESS
Watchgroup gegen sexistische Werbung
Sexistische Werbung in Italien wird der Kampf angesagt (handelsblatt.com)

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Verglichen mit Italien sind Fernsehsendungen in Österreich noch harmlos: Die Filmemacherin Lorella Zanardo vergleicht das italienische Hauptfernsehprogramm mit einem Porno und hat sich diesem Thema in einer Dokumentation gewidmet: Il corpo delle donne

Die 24-minütige Dokumentation zeigt viele Ausschnitte aus dem italienischen Fernsehen und stellt die Frage, warum sich die Frauen nicht dagegen wehren, nur als Sexobjekt oder Dekogegenstand zu fungieren. "Warum präsentieren wir uns nicht in unserer Wahrheit?" fragt Zanardo.
Hier zur deutschen Fassung und hier ein Beitrag des ZDFs zum Thema.

"Wenn ich älter werde, offenbare ich meinen Charakter: ich meine damit alles was ich erlebt habe, was mein Gesicht geformt hat. Gesicht bedeute "faccia", weil ich es forme mit den Gewohnheiten, die ich im Leben erworben habe, die Freundschaften, die ich mir gegönnt habe, die Schwerpunkte die ich mir gegeben habe, die Ziele die ich verfolgt habe, die Lieben, die ich getroffen und geträumt habe, die Kinder die ich gezeugt habe."
(Zitat aus der Dokumentation)

Die Kritik der Dokumentation richtet sich auch gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Gegen seinen Ministerinnenharem und seine Sexskandale - es wurde eine Grenze erreicht. "Du raubst uns Würde und Kultur", so die DemonstrantInnen. "Italien ist kein Bordell" lautete das Motto der Frauendemonstrationen im Februar 2011.

(Foto: dpa)

"Jahrelang glaube ich, das Fernsehen gehe mich nichts an und es ginge auch die Millionen von arbeitenden Frauen nichts an, die engagiert sind und ein Ziel im Leben verfolgen. Aber diese Bilder springen vom TV über in unsere Häuser, füttern unsere Fantasien, besetzen die Augen unserer Kinder und befallen die Welt", um es mit den Worten von Lorella Zanardo zu sagen.

Sunnivah_

Nachtrag: Das Thema wurde von konsumpf.de aufgenommen, was mich besonders freut: siehe hier

Freitag, 15. April 2011

Eintagsküken

Eintagsküken als Abfallprodukt in der Hochleistungszucht: Millionen männliche Küken enden im Häcksler oder werden erstickt

Tierfreunde wissen so etwas: Es gibt nicht nur Eintagsfliegen, sondern auch Eintagsküken. Während der Eintagsfliege, wie der Name schon sagt, von Natur aus ein ziemlich kurzes Leben beschieden ist, fallen die Eintagsküken quasi als Abfallprodukt in der Hochleistungszucht an. In Deutschland haben jährlich rund 40 Millionen Küken - europaweit soll die Zahl bei 300 Millionen liegen - direkt nach dem Schlüpfen ihr Leben schon wieder verwirkt. "Eintagsküken zählen zu den großen dunklen Löchern der landwirtschaftlichen Nutztierethikdiskussion", sagt Reinhard Geßl vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl). Die Konsumenten hätten keine Ahnung, dass in Österreich für die 7,8 Millionen Legehennen ebenso viele männliche Eintagesküken sterben müssen, ist Geßl überzeugt. Während die weiblichen Küken in den Zuchtbetrieben in die Versandbox "wandern", geht es mit den männlichen ab in den Tod. In eine Kiste, in der sie mit Gas erstickt oder mit einem Häcksler zerstückelt werden, einige enden auch als Schlangen-Futter für den Zoo.
(Regina Bruckner, derStandard.at, 15.4.2011)

Hier den gesamten Bericht auf derStandard.at lesen.

Die schweizer Nutztierschutzorganisation "KAG Freiland" erhielt vor einigen Jahren die Erlaubnis in einem Betrieb, den sie nicht bekanntgeben dürfen, eine Filmdokumentation zu machen:

Der Film "Tiere sind keine Wegwerfware" ist hier verlinkt.


Gerade jetzt vor Ostern sollte die Legehennen-Industrie genauer unter die Lupe genommen werden. KonsumtInnenaufklärung spielt dabei eine wichtige Rolle:

Informationen über Qualitäts- und Vermarktungsnormen für Eier
Die Europäische Union hat eine für alle Mitgliedstaaten geltende Richtlinie zum Schutz von Legehennen (RL 1999/74/EG) erlassen, in der die Mindestanforderungen an Geflügelhaltungsbetriebe festgelegt sind. Diese Richtlinie wurde in Österreich im Bundestierschutzgesetz, BGBl. I Nr. 118/2004 und der 1. Tierhaltungsverordnung, BGBl. II Nr. 485/2004 umgesetzt. Damit gelten für ganz Österreich einheitliche Mindestbedingungen für die Haltung von Legehennen. Im Bundestierschutzgesetz wurde zudem verordnet, dass ab 1.1.2009 die Käfighaltung verboten ist. Lediglich der Betrieb von vor dem 1. Jänner 2005 gebauten oder in Betrieb genommenen „ausgestalteten Käfigen“ ist bis zum Ablauf von 15 Jahren ab der ersten Inbetriebnahme zulässig. (Stand Jänner 2009)

Legebatterien trotz Verbot: Österreichische Geflügelhalter ignorieren Gesetz (Vier Pfoten)
Foodwatch-Aktion: Für Transparenz - gegen versteckte Käfig-Eier

Tiefkühlhühner für Afrika:

Themenreihe auf 3sat: Hühner Wahnsinn. Das eiskalte Geschäft mit dem Geflügel
hier das Video dazu auf YouTube
Video: Resteverwertung (3sat nano)
Ghanas Hühnerfarmen lassen Federn (cultura21)


Frohe Ostern,
Sunnivah_

Montag, 11. April 2011

Dritte Welt im Ausverkauf


Dokumentation auf ARTE, 19. April 2011, 20:15 Uhr



Die Nahrungs- und Finanzkrise 2008 haben zu einem unfassbaren Wettlauf um die Kontrolle von Agrarflächen rund um den Globus geführt. Mehr als fünfzig Millionen Hektar Land wurden bereits verkauft. Industrielle, Finanzinvestoren und sogar Regierungen produzieren nun in ärmeren Ländern. Doch diese Staaten schaffen es häufig noch nicht einmal, ihre eigene Bevölkerung zu ernähren...

In nur zwei Jahren haben bereits fünfzig Millionen Hektar Land den Besitzer gewechselt. Und mehrere Dutzend Millionen werden gerade auf den internationalen Märkten gehandelt. Ein Geschäft, das mittlerweile sogar die UNO besorgt. FAO-Chef Jacques Diouf sprach in diesem Zusammenhang von der „Gefahr eines landwirtschaftlichen Neokolonialismus“.

Die 3 Ausschnitte:

Saudi-Arabien in Afrika
Ram Karuturi will "Geschichte schreiben"
Enteignete Bauern


Auf ARTE gibt es immer wieder gute Dokumentationen zu sehr wichtigen Themen - auch diese Doku wird sicher spannend und aufschlussreich. Termin freihalte oder später im Internet auf ARTE nachschauen, meist 7 Tage lang online.

Sunnivah_

Auch Österreich verstärkt Kontrollen

EU streitet über Visa für Flüchtlinge aus Nordafrika - Deutschland droht mit Grenzkontrollen

Italien hat mit der Entscheidung, Flüchtlinge aus Nordafrika mit Visa auszustatten, in der EU heftige Kritik ausgelöst. Mit den Visa erhalten die rund 23.000 Flüchtlinge Reisefreiheit im Schengenraum. Dies widerspreche "dem Geist von Schengen", protestierte der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Deutschland werde notfalls Kontrollen an der südlichen Grenze durchführen. Auch Österreichs Innenministerin Maria Fekter kündigte am Sonntag an, die Grenzen kontrollieren zu wollen. Verstärkte Kontrollen im Landesinneren, etwa in Reisezügen, seien bereits seit einiger Zeit im Gange, hieß es.

Fekter: "Staubsaugereffekt"

Innenministerin Maria Fekter wirft Italien vor, eine "unsolidarische Maßnahme" ergriffen zu haben. "Das hat eigentlich einen enormen Staubsaugereffekt auf alle Migranten, die nach Italien gelangen. Italien putzt sich hier ab", empörte sich Fekter.

Die Italiener rechneten nämlich damit, dass "diese Menschen in andere EU-Länder gehen. Wenn nach drei Monaten das Visum abläuft, haben die anderen EU-Länder das Problem der Rückkehr und der Kosten und des Prozederes für die Heimreise", meint die Innenministerin. Sollte Italien weiterhin Schengen-Visa für Flüchtlinge aus Tunesien ausstellen, "muss man Schengen andiskutieren. Wenn Bayern andenkt, die Schengen-Grenzen wieder dicht zu machen, müssen wir Österreicher das selbstverständlich auch".

Jedenfalls werde sich Österreich "anschauen, inwiefern wir die Visa von Italien auch tatsächlich anerkennen, ob wir die Menschen einreisen lassen, die sich nicht selbst ernähren können und die nicht nachweisen können, dass sie ihren Unterhalt hier haben". Eine derartige Einreise "würde den Boden für Kriminalität bedeuten und das kann ich als Sicherheitsministerin nicht zulassen".

Wifo: "Politik des Chaos"

Dem hält Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, entgegen, die EU übe sich in einer "Politik des Chaos": "Die Menschen kommen in Booten, man weiß nicht, gehen sie unter oder nicht, dann sind sie hier, man weiß nicht, dürfen sie bleiben oder nicht, dann erteilt Italien ihnen Visa, man weiß nicht, dürfen sie arbeiten oder nicht. Die EU sollte sich überlegen, wie man diese Menschen langfristig integriert. Das ist eine humanitäre Frage", sagte Aiginger am Rand einer Pressekonferenz Montag vormittag gegenüber derStandard.at.

Berlusconi: "Europäische Lösung"

Auch Italien pocht auf "eine europäische Lösung". "Europa kann sich der Sache nicht entziehen", hatte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Samstag bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa gemeint. Am Donnerstag hatte Italien Zehntausenden tunesischen Flüchtlingen Visa gewährt, mit denen sie in alle Länder des Schengen-Raums reisen könnten. Es handle sich um befristete Aufenthaltsgenehmigungen zu "humanitären" Zwecken, sagte der italienische Innenminister Maroni. "Die meisten Einwanderer wollen zu Freunden und Verwandten in Frankreich oder anderen europäischen Ländern", erklärte der Minister.

Zugleich startet Italien mit der Rückführung Hunderter Migranten nach Tunesien. Zwei Maschinen starten am Montag direkt aus Lampedusa, um etwa 120 Einwanderer nach Tunesien zurückzufliegen. Weitere 1.000 Einwanderer befinden sich noch auf der Insel, das Auffanglager ist wieder überfüllt.

EU-Innenminister beraten

Die Flüchtlings-Frage steht am Montag im Mittelpunkt von Beratungen der EU-Innenminister in Luxemburg. Der deutsche Innenminister meinte, Italiens Vorgehen würde das Verhältnis zwischen Deutschland und Italien erheblich belasten. Er erwarte von Berlusconi, "dass sein Land das Einwandererproblem selbst regelt und nicht auf andere EU-Länder ablädt."Während die Regierungschefs weiter streiten, will EU-Innenkomissarin Cecilia Malmström anregen, mehr Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu zeigen.

Nun sei der Moment gekommen, Fortschritte bei der gemeinsamen EU-Asylpolitik zu erzielen, stößt Malmström in eine offene Wunde der EU-Agenda. Einige Länder seien bereit, schutzbedürftige Menschen aufzunehmen.

Weitere Flüchtlinge kamen an

Unterdessen kamen weitere Flüchtlinge auf der süditalienischen Insel Lampedusa an. Seit Sonntagabend erreichten rund 700 Migranten die 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Sizilien und Tunesien, berichtete die italienische Küstenwache.

Das UNO-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) appelliert an die EU-Staaten, politische Flüchtlinge aus Nordafrika aufzunehmen. Die meisten Flüchtlinge, die jetzt nach Europa gekommen sind, seien junge Männer, die einfach die Gunst der Stunde nützen und versuchen, in Europa Arbeit zu bekommen, sagte UNHCR-Sprecherin Melitta Hummel-Sunjic am Montag im Ö1-Morgenjournal. Vergleichsweise wenige von ihnen seien politische Flüchtlinge: In Libyen seien es 8.000 bis 10.000 Menschen, etwa aus Somalia und Eritrea, die jetzt zum zweiten Mal flüchten. "Und für diese Leute bitten wir als UNHCR um Aufnahme. Die haben eine solche Odyssee hinter sich, da kann Europa nicht wegschauen."

Hummel-Sunjic rief die EU-Staaten dazu auf, sich ihrer humanitären Traditionen zu besinnen. Die EU solle zudem Ägypten und Tunesien unterstützen, denn diese beiden Nachbarländer Tunesiens hätten die meisten Flüchtlinge aufgenommen - Ägypten 200.000, Tunesien weit mehr als 200.000 Menschen. Nur ein Bruchteil, rund 25.000, seien nach Malta und auf die italienische Insel Lampedusa gekommen.

(mas, APA, derStandard.at, 11.4.2011)

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Es ist einfach nur noch traurig solche Dinge zu lesen. Wie kann der Rest von Europa einfach so sagen, Italien soll mit dem Flüchtlingsstrom alleine zu Recht kommen? Wo ist die Europäische Union plötzlich? Die Aussagen von Fekter machen mich wütend - Italien verhalte sich unsolidarisch? Plötzlich wird über Kosten geredet und der Schengen Raum muss andiskutiert werden - aber hier geht es um Menschen, die Hilfe brauchen. Diese Menschen können nicht alle in Italien bleiben, hier braucht es gemeinsame Lösungen.

Wir beuten afrikanische Staaten aus, nehmen diesen Menschen ihre Lebensgrundlage, schmeißen Bomben auf ihre Länder und wollen ihnen dann nicht helfen, wenn sie sich mit dem Risiko ihr Leben zu verlieren über das Meer nach Europa aufmachen und um Hilfe bitten?

Hier wird abscheuliche Politik ohne jegliche Menschlichkeit gemacht, die kaum zu ertragen ist. Es werden Menschen in Kategorien eingeteilt, welche die mehr Wert sind als andere oder eben nicht - wir sind zwar in Europa, aber auch hier sind wir weit von der Einhaltung der Menschenrechte entfernt.

Sunnivah_

Sonntag, 10. April 2011

Naturschutz am Mount Everest

In der taz erschien kürzlich ein Artikel über Sherpas im Himalaya, die jetzt eine erwähnenswerte Aktion starten:

Die gefährlichste Müllabfuhr der Welt
40 Jahre lang wurde der Mount Everest zugemüllt. Jetzt organisieren Sherpas für einige Tage die gefährlichste Müllabfuhr der Welt. Wenn sich jetzt wieder die Extrembergsteiger am Fuß des Berges stauen, gesellen sich 20 bis 30 Sherpas dazu. Einige davon gehen mit nach oben in die Todeszone – nur zum Saubermachen.

Foto: Eco Himal

Wo der Müll herumliegt, das wissen die Sherpas genau. Jahr für Jahr begleiten sie Gipfelfetischisten bis auf die Spitze des Everest. Seit den 1970er Jahren kommen immer mehr Gäste aus dem Ausland, heute mehr als 30.000 pro Jahr. Das Projekt klingt anspruchsvoll. Doch das wirkliche Müllproblem der Region betrifft nicht nur den Everest. Überall an den Wanderwegen sind über die Jahre hässliche Haufen entstanden: 210 Tonnen Plastik, 30 Tonnen Metall, eine Tonne Glasflaschen, 2.100 Sauerstoffflaschen und 3.500 Batterien, so die Bilanz von Eco Himal.


Zehn Tonnen Müll auf dem Mount Everest
Reinhold Messner zum Thema:
Mount Everest als Konsumgut/Der Mount Everest als Selbstbetrug

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Auch auf ARTE lief gerade anlässlich der französischen Nachhaltigkeitswoche vom 1. bis 7. April einen Schwerpunktreihe zum Thema Umwelt- und Naturschutz:

Das Geschäft mit dem Artenschutz
Mit der Sonne um die Welt
Die Letzten ihrer Art
Städte der Extreme
Dazu gab es auch eine 5-teilige Portrait-Reihe "Was tun? Für eine wirklich nachhaltige Zukunft der Menschheit." Zu Wort kommen anerkannte, unabhängige, klarsichtige Spezialisten, die Besten der jeweiligen Themenkreise: Natur- und Sozialwissenschaftler, Ökonomen und Ökologen, Philosophen und Aktivisten:

Ernst Ulrich von Weizsäcker
Jakob von Uexküll
Vandana Shiva
Dennis L. Meadows
Klaus Wiegand

Auf jeden Fall sehenswert und vielleicht auch bald auf YouTube dauerhaft zum Nachsehen zu finden. Sunnivah_

Freitag, 8. April 2011

Tödliche Jeans

Um Jeans einen modisch abgenutzten Look zu verleihen, wenden Bekleidungsunternehmen noch immer die so genannte Sandstrahltechnik an und riskieren damit die Gesundheit der ArbeiterInnen.

Um wirkungsvoll gegen die tödliche Sandstrahltechnik und ihre Folgen vorzugehen, fordert die Clean Clothes Kampagne die Bekleidungsfirmen zu drei Schritten auf:

  1. Schritt: die Sandstrahltechnik mit sofortiger Wirkung in der gesamten Lieferkette zu verbieten und dieses Verbot öffentlich bekannt zu geben;
  2. Schritt: das Verbot der Sandstrahltechnik durch geeignete Überprüfungs- und Verifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit örtlich ansässigen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NROs) umzusetzen und einzuhalten;
  3. Schritt: Verantwortung für die betroffenen ArbeiterInnen zu übernehmen, wozu medizinische Versorgung und finanzielle Entschädigung zählt.
(Clean Clothes)



"Bei Bergleuten tritt diese Krankheit nach etwa 10 bis 20 Arbeitsjahren auf. In der Jeansindustrie beschäftigte ArbeiterInnen erkranken bereits nach 3 Monaten", erzählt Abdulhalim Demir vom Türkischen Solidaritätskomitee für SandstrahlerInnen in dem Kurzfilm von Clean Clothes.

Hier eine Übersicht, ob und in welcher Form Jeansmarken, Modefirmen und Luxuslabels die Sandstrahltechnik bei der Herstellung ihrer Jeansprodukte anwenden.

Urgend Action von Clean Clothes an New Yorker, Orsay und italienische Luxusmarken.

Also, am besten vor dem nächsten Jeanskauf gut informieren und die Augen offen halten, wie die Modefirmen reagieren. Ich möchte keine Jeans tragen, an deren Produktion jemand gestorben ist oder bald sterben wird.
Sunnivah_

Donnerstag, 7. April 2011

Das Victory-Zeichen


Seit Beginn der Proteste in den arabischen Ländern - die am 17. Dezember 2010 mit der Selbstverbrennung von Mohammad Buazizi begannen - sieht man immer wieder Bilder von DemonstrantInnen mit dem Victory-Zeichen: egal ob in Tunesien, Libyen, Jemen oder Syrien. Das von Zeige- und Mittelfinger geformte "V" wird auf der ganzen Welt verstanden. Es ist zu einer international verstandenen Gebärde geworden.

(Bildquelle: APA)

Aber hat dieses Zeichen auch eine Geschichte und wie kam es dazu?

Es gibt eine Legende: Im englischen Mittelalter wurden Langbogen zum Schießen von Pfeilen verwendet - diese Pfeile waren so stark, dass sogar Rüstungen problemlos durchbohrt werden konnten. Im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) zwischen England und Frankreich sollen die Franzosen den englischen Langbogen-Schützen Zeige- und Mittelfinder der rechten Hand abgeschnitten haben, damit diese die Langbogen nicht mehr benützen können. Daraus ergab sich, dass die Engländer das sogenannte Viktory-Zeichen dafür benützt haben, um angreifenden Franzosen zu vermitteln „ich habe meine Finger noch und kann dich abschießen“. Es soll auch den Nationalstolz der Engländer symbolisieren.

Populär wurde das Victory-Zeichen durch den britische Premier Winston Churchill während des Zweiten Weltkrieges. Zu jeder passenden Gelegenheiten ließ sich Churchill mit erhobenen Zeige- und Mittelfinger ablichten. Er folgte damit einem Appell der BBC, der aufrief das V-Zeichen als Symbol des Sieges der Alliierten zu verbreiten. Die Vierergruppe München (eine Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus) brachte daraufhin das V-Symbol auf circa 40 Gebäuden in München an. In weiterer Folge leitete BBC ihre Sendungen für Deutschland mit dem Morsezeichen für V ein.

In der jüngeren Geschichte hat schon so ziemlich jedeR PolitikerIn das V-Zeichen verwendet/missbraucht, um sich zum Beispiel im Wahlkampf als siegessicher zu präsentieren. George W. Bush, Irans räsident Machmud Achmadinedschad, Jassir Arafat.... die Liste ist lang. Hier eine kleine Fotostrecke.

Was die arabische Revolution betrifft, geht es hier um einen gemeinsamen Wunsch nach Freiheit und Demokratie. Das Volk benützt das Siegeszeichen, um seinen starken Willen zu zeigen: sie alle wollen siegen auch wenn das oft bedeutet dafür zu sterben...

Sunnivah_

Mittwoch, 6. April 2011

A Fair Story



FAIRTRADE-Wochen von 17. April - 14. Mai 2011
Der internationale Kurzfilm „A Fair Story“, ein TV-Spot und zahlreiche Veranstaltungen rücken den Fairen Handel in den FAIRTRADE-Wochen 2011 ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

www.fairtrade.at

Montag, 4. April 2011

Recycling a bottle, flashmob style!

Folgendes Video habe ich auf dem Blog Biotiful gefunden:



Eine nette und gleichzeitig lustige Art auf Recycling aufmerksam zu machen! ;)

Auf dem Blog Biotiful findet man übrigends leichte "Rezepte" zum Selbermachen von Putzmittel oder Biokosmetik.

Zum Thema Entsorgung und Recycling hier noch ein Link zum Trenn-ABC der Stadt Wien oder die HTML-Version des kleinen Heftchens "Bau keinen MIST. Das Wiener Mist ABC", welches natürlich auch als pdf-Datei im Internet zu finden ist.

Also, nie auf Recycling vergessen und eventuell mal eine Plastikflasche zuviel entsorgen, als daran vorbeigehen ;)
Sunnivah_