Montag, 14. Februar 2011

Valentinstag

Abgesehen davon, dass der Valentinstag ein gutes Geschäft für BlumenhändlerInnen ist und die Industrie sicher mehr davon hat, als manche Beziehungen, die in eine Krise stürzen, nur weil der Mann an diesem Tag keine Rose in der Hand hält, die ein paar Tage später nur mehr die Hälfte kosten würde, steckt hinter diesem Tag auch eine lange Geschichte der Menschenrechtsverletzungen.

(Quelle: thishumanworld)

Der Dokumentarfilm A BLOOMING BUSINESS von Ton van Zantvoort handelt über die Menschen in Kenia, die von der globalen Blumenindustrie gefangen gehalten werden. Die Problematik dieser Industrie wird auf schmerzhafte Weise deutlich und eine düstere Welt der Unterdrückung, des sexuellen Missbrauchs und fürchterlicher Arbeitsbedingungen wird aufgedeckt. Man kommt zu dem Schluss: Der Duft einer importierten Rose ist nicht süß, sondern bitter.

Hier der Trailer.
Pressemitteilung von WWF-Deutschland

Jetzt gibt es überall FAIRTRADE Rosen aus Afrika zu sehen, brauchen wir also kein schlechtes Gewissen mehr zu haben? Normalerweise ist FAIRTRADE auch die einzige Alternative, doch wenn eine Blumenfabrik mitten in die Wüste gesetzt wird und angrenzenden Dörfern die Wassergrundlage entsogen wird, dann ist auch FAIRTRADE keine Alternative mehr und Rosen aus Afrika grundsätzlich zu boykottieren. Wieviel ist der Zugang zu sauberem Wasser im Vergleich zu einer Rose wert?
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Nachtrag:
Antwort von FAIRTRADE auf meine Fragen:

Farmen, die FAIRTRADE-zertifiziert sind, sind aufgefordert, Pflanzen so wassersparend wie möglich zu wässern. Die Blumen werden nur befeuchtet, bekommen spezielle Gewächshäuser oder man verwendet Erde, die Wasser besser speichert. Eingesetzt werden auch Wasserreservoirs oder eine biologische Wasseraufbereitung.

FAIRTRADE-Farmen nutzen die sogenannte Tröpfchenbewässerung und die Mehrzahl arbeitet mit dem sogenannten „hydroponischen Anbau“ welcher die geringstmögliche Nutzung von Frischwasser garantiert, ebenso wird das überschüssige Wasser recycelt und dem Anbau wieder zugeführt. Alle unsere Vertragsfarmen haben große Wasserspeicher (Dämme) angelegt, in denen das Regenwasser aufgefangen wird, dies führt dazu, dass der Bedarf an Wasser, sei es Grundwasser oder Oberflächenwasser, aus Seen mittlerweile auf ca. 20% der benötigten Menge reduziert wurde.

In Wüstengebieten gibt es keine FAIRTRADE Blumenfarmen.


(Quelle: flickr.com)

Ja, Blumen sind schön und machen fröhlich, gerade im Winter tun sie der Seele wohl. Aber es gibt auch schöne Blumen aus Österreich und vor allem gibt es sie viel billiger in ein paar Tagen! Eine Tulpe aus Österreich kann hoffentlich mehr Freude verbreiten, als eine chemisch verseuchte Rose aus Afrika, aufgrund derer viele Menschen leiden müssen...

Einen schönen Valentinstag,
Sunnivah_

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Nachtrag:
Statement von FAIRTRADE: Wasserverbrauch bei der Produktion von Fairtrade‐Rosen

Sollte die Rosenproduktion in Ländern mit Wasserknappheit gefördert werden?
Ist es sinnvoll, dass Fairtrade es zulässt, dass sich afrikanische Blumenfarmen zertifizieren lassen, wenn in vielen Gegenden Afrikas Wasserknappheit herrscht?

Fakten:
- Der Wasserverbrauch pro Rosenfarm/Tag beträgt ca. 20.000 Kubikmeter, oder ca. 60 m³ Wasser pro Hektar. Zum Wasserverbrauch für die Produktion einer kenianischen Rose gibt es unterschiedliche Angaben; genannt werden 1,5 Liter Wasser am Tag und 2,7 Liter Frischwasser für die Produktion sowie 1,3 Liter Abwasser. Für eine Rose aus Lateinamerika werden 2,7 bis 8,1 Liter Frischwasser und 1,3 Liter Abwasser angegeben.

- Kenia wird als Land mit chronischer Wasserknappheit bewertet. Statistisch gesehen beträgt die pro Kopf natürlich vorhandene Süßwassermenge nur 647 m³. Diese wird sich aufgrund des Klimawandels in den kommenden Jahren weiter drastisch verringern.

Aufgrund von
o großen Entfernungen,
o schlechter Erreichbarkeit,
o ungenügender Wasserqualität, die durch bestimmte geologische Verhältnisse bedingt wird,
o fehlender Infrastruktur zur Verteilung und Versorgung von Wasser,
o Verschmutzung von Gewässern,
o Erschöpfung von Wasservorkommen und Abholzung infolge von Überbevölkerung und Übernutzung der Wasservorräte
o und auch durch Korruption,
sind es tatsächlich im Schnitt aber nur 2,5m³ (2,500 L) pro Jahr, oder knapp 7 Liter am Tag.

Allerdings sind das Vorkommen von Wasser und die Verwendung in Kenia regional stark unterschiedlich. Es gibt wasserreiche Gegenden ebenso wie extrem trockene Wüsten. Und die Verwendung von Wasser für die landwirtschaftliche Produktion bedeutet nicht automatisch, es der Bevölkerung vorzuenthalten. Zum Beispiel herrscht in Nairobi chronischer Wassermangel, der aber auf fehlende oder nicht unterhaltene Infrastruktur zurück zu führen ist, nicht auf fehlende Wasservorräte. Entwaldung trägt zudem wesentlich mehr zum Wassermangel bei, als einzelne Betriebe.

So kommt es, dass ein Land chronischen Wassermangel haben kann und doch lokal eine wasserintensive landwirtschaftliche Produktion aufweist. Zum Beispiel die Teeplantagen im regenreicheren kenianischen Hochland.

Folgende Aspekte sprechen für die Fairtrade‐Rosenproduktion in Kenia und anderen Entwicklungsländern:

- Mit landwirtschaftlicher Exportproduktion werden Arbeitsplätze geschaffen und die Lebensverhältnisse vor Ort verbessert.
- Bei Fairtrade‐zertifizierter Produktion ist die Einhaltung von Umweltstandards garantiert, die ansonsten im nationalen Kontext vieler Entwicklungsländer kaum beachtet werden. Häufig haben die Fairtrade‐zertifizierten Betriebe eine Vorreiterrolle und stoßen langfristig weitergehende Veränderungen in ihren Regionen an.

Angesichts dieser komplexen Ausgangslage und den vielen verschiedenen Faktoren, die auf die Wasserproblematik Einfluss nehmen, kann die Frage, ob auf den Export wasserintensiv hergestellter landwirtschaftlich Produkte verzichtet werden sollte, nicht pauschal beantwortet werden. Für Fairtrade ist im Einzelfall entscheidend, ob die sozialen Vorteile überwiegen. Umweltaspekte wie Wassermangel werden dabei nicht ignoriert – Fairtrade hat weitreichende Umweltstandards und führt nachweislich dazu, dass auf umweltfreundlichere Produktion umgestellt wird.

Fairtrade‐Rosen – die bessere Alternative
Wer auf Rosen nicht generell verzichten möchte, kann durch den Kauf von Fairtrade‐Rosen sicherstellen, dass Rosen so wassersparend und verträglich für Umwelt und Gesundheit wie möglich produziert werden. Zusätzlich fördert jeder Kauf von Fairtrade‐zertifizierten Rosen die Einhaltung aller weiteren Fairtrade‐Standards, unter anderem:

Das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit, die Zahlung von Fairtrade‐Mindestpreisen und ‐Prämien für Gemeinschaftsprojekte, Sozialversicherungen und Gesundheitsstandards.

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