Mittwoch, 16. Februar 2011

Milliardenstrafe für Ölkonzern Chevron

Der Rechtsstreit um den größten Umweltskandal im Erdölgeschäft dauerte 18 Jahre. Am Montag verurteilte ein Richter im ecuadorianischen Lago Agrio den US-Konzern Chevron-Texaco wegen Umweltverschmutzung des Amazonasurwalds zu einer Geldstrafe und Entschädigungen in der Höhe von acht Milliarden US-Dollar.

"Der Richter hat die Wirklichkeit gesehen und ein gerechtes Urteil gefällt", sagte Humberto Piaguaje, ein Sprecher der Secoya-Ureinwohner, die die Klage einst angestrengt hatten. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen: Der Konzern will Berufung einlegen und hat vor einem internationalen Schiedsgericht erreicht, dass die ecuadorianische Rechtsprechung vorübergehend suspendiert wird wegen möglicher Verstöße gegen bilaterale Abkommen.

(Foto: privat)

Ein Chevron-Sprecher bezeichnete das Urteil als "illegal" und "auf Betrug basierend statt auf wissenschaftlichen Beweisen". Laut Umweltschützern übertrifft der im Amazonas angerichtete Schaden um ein Zehnfaches die Folgen des BP-Bohrturmunfalls im Golf von Mexiko vom Vorjahr.

Einer Studie zufolge wurden im Amazonasbecken mehr als 113 Millionen Kubikmeter Giftstoffe entsorgt, im Falle der BP-Bohrplattform sollen 776.000 Kubikmeter Öl ausgeflossen sein. Mehr als 30.000 Menschen waren den Klägern zufolge von Texacos Praktiken der Jahre 1972 bis 1990 betroffen: Bei der Erdölförderung anfallender Giftschlamm wurde in schlecht abgedichteten, offenen Becken gelagert oder als Straßenbelag verwendet. Die Zahl der Krebsfälle, Fehlgeburten und die Kindersterblichkeit in der Region schnellte in die Höhe.

Texaco, 2001 von Chevron aufgekauft, stritt die Verschmutzung nicht ab, machte aber geltend, man habe in Kooperation mit dem staatlichen Konzern Petroecuador operiert, die Auflagen erfüllt und nach Ende der Konzession 40 Millionen Dollar für die Säuberung bezahlt. Deshalb sei er nicht mehr zu belangen.

Dem Urteil zufolge muss sich der Konzern öffentlich bei den Opfern entschuldigen. Verweigert die Firma dies, verdoppelt sich die Entschädigung.

(Sandra Weiss/DER STANDARD-Printausgabe, 16.2.2011)

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