Montag, 28. Februar 2011

EU lockert Gen-Import­verbot bei Futtermitteln

Ein kleiner Tropfen kann manchmal viel auslösen. Ein Teelöffel Öl reicht zum Beispiel aus, um bis zu 1000 Liter Wasser zu verschmutzen. Um die Wirkungen kleinster Verunreinigungen schwelt seit Monaten auch in der EU ein Streit, der am Dienstag vorerst entschieden wurde.

Das Thema ist denkbar heikel, es geht um Gentechnik. In der EU gilt derzeit eine Null-Toleranzpolitik beim Import gentechnisch veränderter Pflanzen, die in der Union nicht zugelassen sind. Noch. Denn die EU-Kommission hat eine Lockerung dieser Regelung auf die Schiene gebracht und wird dabei ausgerechnet von Österreich, einem ansonsten besonders Gentechnik skeptischen Land, unterstützt.

Konkret haben sich am Dienstag EU-Staaten und Kommission auf die Aufweichung des Verbotes bei Futtermittelimporten geeinigt. Bisher galt, dass zum Beispiel Mais oder Soja aus den USA oder Argentinien zurückgeschickt werden mussten, sofern sich darin auch nur geringste Mengen nicht zugelassener gentechnisch veränderter Pflanzen befanden. Der zuständige Agrarausschuss in Brüssel hat nun Kontaminationen dieser Art bis 0,1 Prozent erlaubt. Die Regelung gilt, sofern die Zulassung der Pflanze in der EU beantragt wurde. Eine Genehmigung ist nicht nötig. Laut Website Trans Gen läuft in der EU bei 100 gentechnisch manipulierten Pflanzen ein Zulassungsverfahren.

Obwohl es nur um geringe Mengen geht, sehen Kritiker in der Lockerung des Verbots einen wichtigen symbolischen Schritt. "Das ist ein Türöffner dafür, dass weitere gentechnisch veränderte Produkte in die EU, und damit letztlich auf unsere Teller kommen", meint die Grüne EU-Parlamentarierin Eva Lichtenberger. Auch bei Greenpeace-Österreich gehen die Wogen hoch: "Die EU gibt dem Druck der Agrar-Lobby nach", so Philipp Strohm. "Es darf nicht sein, dass gentechnisch veränderte Futtermittel ohne Risikoanalyse in der EU zugelassen werden."

EU-Verbraucherschutzkommissars John Dalli versteht man die Neuregelung ganz anders. Mit der Verordnung würden erst europaweit einheitliche Standards dafür geschaffen, wie Futtermittelproben auszuwerten sind. Die Kommission wollte ursprünglich sogar weitergehen und auch für Lebensmittel ähnliche Minimalausnahmen. Nun wird die EU abwarten und zunächst die Futtermittellösung evaluieren.

Die Agrarindustrie drängt ihrerseits seit Jahren auf die Lockerung und begrüßte daher den Entschluss. "Das Retourschicken von Futtermitteln kostet viel Geld", meint Alexander Döring, Chef des europäischen Verbandes der Mischfutterindustrie. Die Zulassung in der EU dauere im Schnitt doppelt so lange wie etwa in den USA, weswegen Europa von Märkten ausgeschlossen bleibe.

Österreichs Umschwung

Er nennt als Beispiel Maiskleberschrot: Das eiweißhaltige Produkt wird bei der Milch-Vieh-Fütterung eingesetzt. Jährlich wurden davon vier bis fünf Millionen Tonnen in die EU importiert. Seitdem 2007 die strikte Nulltoleranzpolitik bei Gentechnik-Pflanzen gilt, gebe es den Rohstoff in der Union so gut wie gar nicht. In der EU werden jährlich 50 Millionen Tonnen Futtermittel importiert.

Kritik gibt es aber auch an der Haltung des zuständigen Lebensmittelministeriums in Wien. Österreich habe bei den Diskussionen die Seiten gewechselt, und damit den Weg für die Einigung mitgeebnet. "Wir haben unter der Bedingung zugestimmt, dass strenge Messmethoden angewendet werden und ein Verfahren zur Zulassung bereits laufen muss", heißt es im Ministerium. Die 0,1 Prozentgrenze sei scharf genug, "0,0 Prozent ist praktisch nicht umsetzbar". Sofern das EU-Parlament die Verordnung nicht ablehnt, tritt sie in drei Monaten in Kraft.

(András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2011)

Donnerstag, 24. Februar 2011

Verschärfungspaket

Es ist unglaublich wie die Regierung in Österreich immer wieder versucht so viele AusländerInnen wie möglich loszuwerden bzw. so unattraktiv wie möglich zu wirken, dass sich ja niemand erst entscheidet nach Österreich zu gehen. Dass die PolitikerInnen dabei keinen Skurpel mehr vor Menschenrechten haben, wird immer deutlicher.

Neun statt sieben Gründe, draußen zu bleiben
(Artikel im Standard vom 24.2.2011, Seite 6)

Es gab ein paar Abmilderungen und es kam zu ein paar Streichungen von schwer kritisieren Regelungen im Begutachtungsentwurf des neuen Fremdenpakets, das am Dienstag im Ministerrat beschlossen wurde - aber wie sich bei genauerer Lektüre des Gesetzeskonvoluts zeigt, ist an anderen Stellen das krasse Gegenteil geschehen.
Tatsächlich wurden, wie Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun am Mittwoch hinwies, in den Entwurft für die Minister andernorts zusätzlich strenge Bestimmungen aufgenommen. Konkret geht es um die in Paragraf 53 der Fremdenpolizeigesetznovelle angeführten Gründe, wegen derer über Drittstaatsangehörige - zusammen mit deiner Ausweisung - auch ein Wiedereinreiseverbot ausgesprochen werden kann: Ein Verbot, das dann nicht nur für Österreich, sondern für den gesamten EU-Raum gilt: So sieht es die EU-Rückführungsrichtlilnie vor.
Im Begutachtungsentwurf waren für das unionsweite Betretungsverbot sieben Gründe angeführt worden: Von bestimmten Verwaltungsübertretungen im Straßenverkehr - eine einzige "rechtskräfte Verurteilung" reicht - hin zu Verstößen gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetzt, vulgo Schwarzarbeit.
Im Regierungsentwurf wind es der Gründe nun plötzlich neun: Einem EU-Verweis für einen Zeitraum zwischen 18 Monaten und fünf Jahren nach einer Abschiebung soll künftig auch erhalten, wer eine sogenannte Scheinehe eingegangen ist oder zum Schein adoptiert wurde. Die eingetragenen Partnerschaften von Lesben und Schwulen wird der Ehe dabei großzügig gleichgestellt - wenn sie "wegen einem Aufenthaltstitel, dem Erwerb der Österreichischen Staatsbürgerschaft, Zugang zum Arbeitsmarkt" sowie Verhinderung einer Abschiebung eingegangen wurde.

"Wird das zu geltendem Recht, so erhöht sich der Druck auf binationale Paare weiter", kommentiert Angela Magenheimer von der Initiative Ehe ohne Grenzen. Die ihrer Erfahrung nach "verbreitete ,Scheinehe'-Denunziationen bi- oder multinationaler Paare und Familien" durch Nachbarn und andere Mitmenschen würden dann noch gefährlicher. "Zum Glück", so Magenheimer, "greifen die Staatsanwaltschaften nur einen Bruchteil der Anzeigen auf". Das erkläre die wenigen Verurteilungen.
Von einer "Lüge" Innenministerin Maria Fekters (ÖVP) sprach die Grüne Korun auch bei den abgeschwächten Schubhaftregeln für Familien und Kindern. Diese würden laut Paragraf 79 des Fremdenpolizeigesetztes auch künftig in die "ganz normale Schubhaft" kommen - sowie die Kinder unter Obsorge, wenn die Eltern die Mitnahme ins Polizeianhaltezentrum verweigerten: nur eben kürzer, für rund 48 Stundenvor der Abschiebung. ÖVP-Sicherheitssprecher Günter Kössl widersprach unter Hinweis auf "Rechtssicherheit" für die Betroffenen.
Das Fremdenpaket soll Anfang April im Innenausschauss einem Expertenhearing unterzogen werden. Die Beschlussfassung im Nationalrat ist für Ende April angesetzt.
(Irene Brickner)

Vielzahl neuer Regeln und Härten (derstandard.at)
Es gibt eine Facebook-Gruppe mit den Namen "Tun Sie der Menschlichkeit einen Gefallen Fr. Fekter. Treten Sie zurück" mit 5.857 Mitgliedern...

Der Verein Purple Sheep hat gemeinsam mit prominenten Österreichern einen kurzen Spot gedreht: Lass ma's bleiben



Soviel zur Lage in Österreich...
Sunnivah_

Montag, 21. Februar 2011

"Unser Sieg steht bevor"

Die Nachrichten Plattform Euronews bringt immer wieder neue Berichte und Videos aus Libyen:

Die Rede des Gaddafi-Sohnes Saif al Islam konnte viele Oppositionsanhänger offenbar nicht überzeugen. Aus Benghazi meldet sich eine Augenzeugin per Telefon:

“Wir wurden angegriffen, obwohl unsere Demonstrationen in Benghazi friedlich sind. Wir haben keine politische Orientierung, wir wollen das libysche Volk nicht spalten, wir sind weder links noch in rechts. Wir sind geeint, alle Menschen in Benghazi sind ein Volk. Gaddafis Sohn spricht von Aufruhr und Spaltung aber das ist falsch. Wir sind Schwestern und Brüder. Er lässt die Libyer im Zweifel, indem er Zwietracht säht. Unser Sieg steht bevor, aber wir sorgen uns um unsere Kinder am Flughafen Benghazi-Benina, die ihr Leben für die Freiheti Libyens aufs Spiel setzen.”

Copyright © 2011 euronews

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Die Gewalt, die momentan in Libyen vorherrscht ist kaum zu erfassen. Man merkt dadurch vielleicht aber auch, dass Gaddafi verzweifelt ist - und wahnsinnig: Eine schlechte Kombination. Momentan sind die Ausschreitungen in Libyen jedenfalls in allen Medien und auch in Europa kommt man nicht mehr darüber hinweg, sich damit nicht zu beschäftigen. Dass Gaddafi der EU droht, den Flüchtlingsansturm nach Europa nicht mehr zu unterbinden, sind dabei vielleicht die besten Nachrichten: Der EU wird hoffentlich klar, dass Gaddafi keiner ist, mit dem man verhandelt...

Bisher über 200 Tote - Teile der Hauptstadt Tripolis in Flammen (derstandard.at)

Gaddafi droht EU mit Ende der Zusammenarbeit (derstandard.at)

EU fordert Ende des Blutvergießens in Libyen (euronews.net)

Solidarität mit allen DemonstrantInnen, die ihre Freiheit fordern und dafür ihr Leben in Gefahr bringen!!


Sunnivah_

Freitag, 18. Februar 2011

Eine Glühbirne die seit 109. Jahren brennt...

Am Dienstag, 15. Februar 2011 gab es auf ARTE eine sehr interessante Doku, die jetzt auch auf YouTube zu finden ist:

Kaufen für die Müllhalde

Glühbirnen, Nylonstrümpfe, Drucker, Mobiltelefone - bei den meisten dieser Produkte ist das Abnutzungsdatum bereits geplant. Die Verbraucher sollen veranlasst werden, lieber einen neuen Artikel zu kaufen, als den defekten reparieren zu lassen. Die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Industrieerzeugnisses, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, nennt man "geplante Obsoleszenz". Bereits 1928 schrieb eine Werbezeitschrift unumwunden: "Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft". Gestützt auf mehr als drei Jahre dauernde Recherchen, erzählt die Dokumentation die Geschichte der geplanten Obsoleszenz. Sie beginnt in den 20er Jahren mit der Schaffung eines Kartells, das die Lebensdauer von Glühbirnen begrenzt, und gewinnt in den 50er Jahren mit der Entstehung der Konsumgesellschaft weiter an Boden.

Hier der erste Teil der Doku auf YouTube.

Sehr interessant ist der Fall Westley gegen Apple 2003, der in der Doku behandelt wird. In diesem Fall wurde Apple mit einer Sammelklage vor Gericht gebracht, da der Akku des iPod's nicht ersetzbar und nur 18 Monate haltbar war: ein Fall von geplanter Obsoleszenz.


Foto (Neistat Brothers)

Zu einem Urteil kam es jedoch nicht. Die Parteien hatten sich außergerichtlich "geeinigt". Apple richtete einen Austauschservice für die Akkus ein und verlängerte die Garantiezeit auf 2 Jahre. Die KlägerInnen erhielten einen 50 € Rabatt auf ein neues Apple-Produkt und blieben damit Apple-KundInnen...

Auch die Neistat Brothers starteten eine Kampagne: "iPod's unreplaceable battery lasts only 18 months" und drehten einen Kurzfilm über iPod's Dirty Secret.

Auf jeden Fall eine sehr interessante und aufschlussreiche Dokumentation!
Sunnivah_

Mittwoch, 16. Februar 2011

FSC-Siegel

In einem älteren Bericht auf meinem Blog (Papier, Papier...) habe ich unter anderem auch über Gütesiegel berichtet. Bei Holzprodukten soll so zum Beispiel auf das FSC-Siegel geachtet werden.

Jetzt habe ich auf "Mein Blog über die wichtigen Dinge!" folgendes gefunden: Am Montag, 14.2.2011 gab es beim SWR einen Bericht über das FSC-Siegel, der sehr erschreckend ist:

Kahlschlag für Ökoholz


Der weltgrößte Papierhersteller kommt aus Schweden und heißt Stora Enso. Er beliefert den deutschen Markt u.a. mit Papier, aus dem Zeitungen oder Verpackungsmaterial hergestellt wird. Diese Produkte sind FSC zertifiziert, soll heißen: Ein Umweltsiegel garantiert dem Verbraucher, dass Stora Enso kein Holz aus schützenswerten Wäldern einschlägt..

Fazit: Ein Öko-Siegel für behutsames Forsten, das ausgerechnet auch von der Holzindustrie finanziert wird. Ein Waldschutz-Zertifikat, das in Wahrheit auch für Abholzen steht, statt schonender Entnahme. Umweltbewusste Verbraucher werden so getäuscht.

Auf der Homepage www.faszination-regenwald.de ist zum Beispiel zu lesen:

Und wenn es denn schon Tropenhols sein muss, dann wenigstens Tropenholz mit Zertifikat. Es gibt zahlreiche Tropenholzzertifikate, die jeweils darauf hinweisen, dass die Hölzer ncht aus illegalem Raubbau stammen, sondern aus einem ökologische und wirtschaftlich nachhaltig kontrollierten Gebiet. Für den Verbraucher ist schwer kontrollierbar, ob jedes Zertifikat auch hält, was es verspricht.

Die Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft und diverse Umweltverbände empfehlen derzeit nur ein "zuverlässiges" Zertifikat für Tropenhölzer: das FSC-Siegel.

Zum Glück wird auf dieser Seite das FSC-Siegel gleichzeitig auch schon kritisch betrachtet und die Aufklärung über das Siegel wird hoffentlich bald alle KonsumentInnen erreichen.

Also Augen offen halten und keinen Siegeln blind vertrauen!
LG, Sunnivah_

Milliardenstrafe für Ölkonzern Chevron

Der Rechtsstreit um den größten Umweltskandal im Erdölgeschäft dauerte 18 Jahre. Am Montag verurteilte ein Richter im ecuadorianischen Lago Agrio den US-Konzern Chevron-Texaco wegen Umweltverschmutzung des Amazonasurwalds zu einer Geldstrafe und Entschädigungen in der Höhe von acht Milliarden US-Dollar.

"Der Richter hat die Wirklichkeit gesehen und ein gerechtes Urteil gefällt", sagte Humberto Piaguaje, ein Sprecher der Secoya-Ureinwohner, die die Klage einst angestrengt hatten. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen: Der Konzern will Berufung einlegen und hat vor einem internationalen Schiedsgericht erreicht, dass die ecuadorianische Rechtsprechung vorübergehend suspendiert wird wegen möglicher Verstöße gegen bilaterale Abkommen.

(Foto: privat)

Ein Chevron-Sprecher bezeichnete das Urteil als "illegal" und "auf Betrug basierend statt auf wissenschaftlichen Beweisen". Laut Umweltschützern übertrifft der im Amazonas angerichtete Schaden um ein Zehnfaches die Folgen des BP-Bohrturmunfalls im Golf von Mexiko vom Vorjahr.

Einer Studie zufolge wurden im Amazonasbecken mehr als 113 Millionen Kubikmeter Giftstoffe entsorgt, im Falle der BP-Bohrplattform sollen 776.000 Kubikmeter Öl ausgeflossen sein. Mehr als 30.000 Menschen waren den Klägern zufolge von Texacos Praktiken der Jahre 1972 bis 1990 betroffen: Bei der Erdölförderung anfallender Giftschlamm wurde in schlecht abgedichteten, offenen Becken gelagert oder als Straßenbelag verwendet. Die Zahl der Krebsfälle, Fehlgeburten und die Kindersterblichkeit in der Region schnellte in die Höhe.

Texaco, 2001 von Chevron aufgekauft, stritt die Verschmutzung nicht ab, machte aber geltend, man habe in Kooperation mit dem staatlichen Konzern Petroecuador operiert, die Auflagen erfüllt und nach Ende der Konzession 40 Millionen Dollar für die Säuberung bezahlt. Deshalb sei er nicht mehr zu belangen.

Dem Urteil zufolge muss sich der Konzern öffentlich bei den Opfern entschuldigen. Verweigert die Firma dies, verdoppelt sich die Entschädigung.

(Sandra Weiss/DER STANDARD-Printausgabe, 16.2.2011)

Montag, 14. Februar 2011

Valentinstag

Abgesehen davon, dass der Valentinstag ein gutes Geschäft für BlumenhändlerInnen ist und die Industrie sicher mehr davon hat, als manche Beziehungen, die in eine Krise stürzen, nur weil der Mann an diesem Tag keine Rose in der Hand hält, die ein paar Tage später nur mehr die Hälfte kosten würde, steckt hinter diesem Tag auch eine lange Geschichte der Menschenrechtsverletzungen.

(Quelle: thishumanworld)

Der Dokumentarfilm A BLOOMING BUSINESS von Ton van Zantvoort handelt über die Menschen in Kenia, die von der globalen Blumenindustrie gefangen gehalten werden. Die Problematik dieser Industrie wird auf schmerzhafte Weise deutlich und eine düstere Welt der Unterdrückung, des sexuellen Missbrauchs und fürchterlicher Arbeitsbedingungen wird aufgedeckt. Man kommt zu dem Schluss: Der Duft einer importierten Rose ist nicht süß, sondern bitter.

Hier der Trailer.
Pressemitteilung von WWF-Deutschland

Jetzt gibt es überall FAIRTRADE Rosen aus Afrika zu sehen, brauchen wir also kein schlechtes Gewissen mehr zu haben? Normalerweise ist FAIRTRADE auch die einzige Alternative, doch wenn eine Blumenfabrik mitten in die Wüste gesetzt wird und angrenzenden Dörfern die Wassergrundlage entsogen wird, dann ist auch FAIRTRADE keine Alternative mehr und Rosen aus Afrika grundsätzlich zu boykottieren. Wieviel ist der Zugang zu sauberem Wasser im Vergleich zu einer Rose wert?
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Nachtrag:
Antwort von FAIRTRADE auf meine Fragen:

Farmen, die FAIRTRADE-zertifiziert sind, sind aufgefordert, Pflanzen so wassersparend wie möglich zu wässern. Die Blumen werden nur befeuchtet, bekommen spezielle Gewächshäuser oder man verwendet Erde, die Wasser besser speichert. Eingesetzt werden auch Wasserreservoirs oder eine biologische Wasseraufbereitung.

FAIRTRADE-Farmen nutzen die sogenannte Tröpfchenbewässerung und die Mehrzahl arbeitet mit dem sogenannten „hydroponischen Anbau“ welcher die geringstmögliche Nutzung von Frischwasser garantiert, ebenso wird das überschüssige Wasser recycelt und dem Anbau wieder zugeführt. Alle unsere Vertragsfarmen haben große Wasserspeicher (Dämme) angelegt, in denen das Regenwasser aufgefangen wird, dies führt dazu, dass der Bedarf an Wasser, sei es Grundwasser oder Oberflächenwasser, aus Seen mittlerweile auf ca. 20% der benötigten Menge reduziert wurde.

In Wüstengebieten gibt es keine FAIRTRADE Blumenfarmen.


(Quelle: flickr.com)

Ja, Blumen sind schön und machen fröhlich, gerade im Winter tun sie der Seele wohl. Aber es gibt auch schöne Blumen aus Österreich und vor allem gibt es sie viel billiger in ein paar Tagen! Eine Tulpe aus Österreich kann hoffentlich mehr Freude verbreiten, als eine chemisch verseuchte Rose aus Afrika, aufgrund derer viele Menschen leiden müssen...

Einen schönen Valentinstag,
Sunnivah_

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Nachtrag:
Statement von FAIRTRADE: Wasserverbrauch bei der Produktion von Fairtrade‐Rosen

Sollte die Rosenproduktion in Ländern mit Wasserknappheit gefördert werden?
Ist es sinnvoll, dass Fairtrade es zulässt, dass sich afrikanische Blumenfarmen zertifizieren lassen, wenn in vielen Gegenden Afrikas Wasserknappheit herrscht?

Fakten:
- Der Wasserverbrauch pro Rosenfarm/Tag beträgt ca. 20.000 Kubikmeter, oder ca. 60 m³ Wasser pro Hektar. Zum Wasserverbrauch für die Produktion einer kenianischen Rose gibt es unterschiedliche Angaben; genannt werden 1,5 Liter Wasser am Tag und 2,7 Liter Frischwasser für die Produktion sowie 1,3 Liter Abwasser. Für eine Rose aus Lateinamerika werden 2,7 bis 8,1 Liter Frischwasser und 1,3 Liter Abwasser angegeben.

- Kenia wird als Land mit chronischer Wasserknappheit bewertet. Statistisch gesehen beträgt die pro Kopf natürlich vorhandene Süßwassermenge nur 647 m³. Diese wird sich aufgrund des Klimawandels in den kommenden Jahren weiter drastisch verringern.

Aufgrund von
o großen Entfernungen,
o schlechter Erreichbarkeit,
o ungenügender Wasserqualität, die durch bestimmte geologische Verhältnisse bedingt wird,
o fehlender Infrastruktur zur Verteilung und Versorgung von Wasser,
o Verschmutzung von Gewässern,
o Erschöpfung von Wasservorkommen und Abholzung infolge von Überbevölkerung und Übernutzung der Wasservorräte
o und auch durch Korruption,
sind es tatsächlich im Schnitt aber nur 2,5m³ (2,500 L) pro Jahr, oder knapp 7 Liter am Tag.

Allerdings sind das Vorkommen von Wasser und die Verwendung in Kenia regional stark unterschiedlich. Es gibt wasserreiche Gegenden ebenso wie extrem trockene Wüsten. Und die Verwendung von Wasser für die landwirtschaftliche Produktion bedeutet nicht automatisch, es der Bevölkerung vorzuenthalten. Zum Beispiel herrscht in Nairobi chronischer Wassermangel, der aber auf fehlende oder nicht unterhaltene Infrastruktur zurück zu führen ist, nicht auf fehlende Wasservorräte. Entwaldung trägt zudem wesentlich mehr zum Wassermangel bei, als einzelne Betriebe.

So kommt es, dass ein Land chronischen Wassermangel haben kann und doch lokal eine wasserintensive landwirtschaftliche Produktion aufweist. Zum Beispiel die Teeplantagen im regenreicheren kenianischen Hochland.

Folgende Aspekte sprechen für die Fairtrade‐Rosenproduktion in Kenia und anderen Entwicklungsländern:

- Mit landwirtschaftlicher Exportproduktion werden Arbeitsplätze geschaffen und die Lebensverhältnisse vor Ort verbessert.
- Bei Fairtrade‐zertifizierter Produktion ist die Einhaltung von Umweltstandards garantiert, die ansonsten im nationalen Kontext vieler Entwicklungsländer kaum beachtet werden. Häufig haben die Fairtrade‐zertifizierten Betriebe eine Vorreiterrolle und stoßen langfristig weitergehende Veränderungen in ihren Regionen an.

Angesichts dieser komplexen Ausgangslage und den vielen verschiedenen Faktoren, die auf die Wasserproblematik Einfluss nehmen, kann die Frage, ob auf den Export wasserintensiv hergestellter landwirtschaftlich Produkte verzichtet werden sollte, nicht pauschal beantwortet werden. Für Fairtrade ist im Einzelfall entscheidend, ob die sozialen Vorteile überwiegen. Umweltaspekte wie Wassermangel werden dabei nicht ignoriert – Fairtrade hat weitreichende Umweltstandards und führt nachweislich dazu, dass auf umweltfreundlichere Produktion umgestellt wird.

Fairtrade‐Rosen – die bessere Alternative
Wer auf Rosen nicht generell verzichten möchte, kann durch den Kauf von Fairtrade‐Rosen sicherstellen, dass Rosen so wassersparend und verträglich für Umwelt und Gesundheit wie möglich produziert werden. Zusätzlich fördert jeder Kauf von Fairtrade‐zertifizierten Rosen die Einhaltung aller weiteren Fairtrade‐Standards, unter anderem:

Das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit, die Zahlung von Fairtrade‐Mindestpreisen und ‐Prämien für Gemeinschaftsprojekte, Sozialversicherungen und Gesundheitsstandards.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Friedensvertrag mit der Natur

Wir müssen einen Friedensvertrag mit der Natur anstreben, der einzig schöpferischen übergeordneten Macht, von der der Mensch abhängig ist. Dieser Friedensvertrag mit der Natur müsste unter anderem die folgenden Punkte beinhalten:

1. Wir müssen die Sprache der Natur lernen, um uns mit ihr zu verständigen.

2. Wir müssen der Natur Territorien zurückgeben, die wir uns widerrechtlich angeeignet und verwüstet haben, z.B. nach dem Grundsatz: Alles, was waagrecht unter freiem Himmel ist, gehört der Natur, z.B. auch die Dächer, auch die Straßen.

3. Toleranz der Spontanvegetation.


4. Die Schöpfung des Menschen und die Schöpfung der Natur müssen wiedervereinigt werden. Die Entzweiung dieser Schöpfung hatte katastrophale Folgen für die Natur und den Menschen.

5. Leben in Harmonie mit den Gesetzen der Natur.

6. Wir sind nur Gast der Natur und müssen uns dementsprechend verhalten. Der Mensch ist der gefährlichste Schädling, der je die Erde verwüstet hat. Der Mensch muss sich selbst in seine ökologischen Schranken zurückverweisen, damit die Erde sich regenerieren kann.

7. Die menschliche Gesellschaft muss wieder eine abfalllose Gesellschaft werden. Denn nur der, der seinen eigenen Abfall ehrt und wiederverwertet in einer abfalllosen Gesellschaft, wandelt Tod in Leben um und hat das Recht, auf dieser Erde fortzubestehen. Dadurch, dass er den Kreislauf respektiert und die Wiedergeburt des Lebens geschehen lässt.

Friedensreich Hundertwasser, 1983

600.000 Unterschriften gegen Staudamm Belo Monte

Die Gegner des brasilianischen Staudammprojekts Belo Monte haben der Staatspräsidentin Dilma Rousseff 600.000 Unterschriften überreicht. Die Häuptlinge der betroffenen Kayapo-Indianer forderten dabei die brasilianische Regierung am Dienstag auf, Belo Monte nicht zu bauen und die Vorbereitungen zu stoppen, teilte die Umweltschutzorganisation ECA Watch Österreich am Mittwoch mit.

Die Regierung zeige sich allerdings "nach wie vor unnachgiebig", hieß es. Das Staudammprojekt im Amazonasgebiet, an dem sich auch die österreichische Andritz AG beteiligen will, war Ende Jänner eine weitere Etappe vorangekommen. Die brasilianische Umweltbehörde erlaubte damals dem Baukonsortium Norte Energia die Rodung von rund 240 Hektar Wald am geplanten Standort des Kraftwerks am Fluss Xingu.

Werde das 11.000-Megawatt-Kraftwerk Belo Monte gebaut, sollen laut Regierung in Brasilia weitere 80 Megadämme und 600 kleinere Dämme im Amazonasgebiet folgen, schreibt ECA Wach weiter. Die Folgen für die indigene Bevölkerung und die Artenvielfalt wären verheerend. "Das Schlimme ist, dass diese Zerstörung noch als Klimaschutz verkauft und finanziert wird: Grüner Strom aus grüner Lunge. Wenn nicht bald ein Umdenken auch beim Klimaschutz einsetzt, könnte diese Lunge am Klimaschutz zugrunde gehen", so Ulrich Eichelmann von ECA Watch Österreich.

Der aus Vorarlberg stammende Träger des Alternativen Nobelpreises 2010, Erwin Kräutler, Bischof der katholischen Territorialprälatur Xingu, ist ebenfalls im Kampf gegen den Staudamm engagiert, der nach derzeitigen Plänen bis 2015 fertiggestellt werden soll.

Quelle: APA

Mittwoch, 9. Februar 2011

Staatsfeinde Nr. 1: Tier- und UmweltaktivistInnen

7 Tage lang (seit gestern) sind auf ARTE zwei Dokumentationen zu finden:

Rebellen im Namen der Erde (53:31 Minuten)

Paul Watson (Interview im Film, Gründer von Sea Shepherd):
"Sie sehen ja auch nicht zu wie ein Kind misshandelt wird, ohne einzugreifen. Also sehen wir nicht zu wie Wale sterben und heben nur unser Transparent hoch ohne etwas zu tun. Wir haben schon 90% des Fischbestandes entnommen und beuten das Meer weiterhin aus. Proteste sind mir zu unterwürfig, als ob man betteln würde: Bitte, bitte lass das. Wir müssen nicht protestieren, sondern eingreifen."

Hier ist der Film auch auf YouTube zu finden!

Apropos "Öko-Terrorismus": hier möchte ich nur auf den österreichischen Mafia-Paragrafen 278a hinweisen, man muss gar nicht bis in die USA schauen. Auch bei uns werden TierschützerInnen zu Staatsfeinden gemacht:

Bericht derStandard
Bericht Augustin

"Die Angeklagten haben nicht Straftaten wie beispielsweise Schaufenstereinschlagen oder Pelzmäntelbesprühen BEGANGEN, sondern sie wurden dessen BESCHULDIGT. Bis das Gegenteil bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Und die wird zumindest für die fünf Angeklagten immer wahrscheinlicher. Anfangs hatten nämlich auch SympathisantInnen gedacht, den Beschuldigten seien bereits oder würden bald kleinere Straftaten nachgewiesen, nur seien die behördlichen Methoden eben unverhältnismäßig. Aber nun, fast drei Jahre nach den Verhaftungen, müssen sich SympathisantInnen genauso wie Tierschutz-Hasser langsam mit dem Gedanken vertraut machen, dass da vielleicht wirklich einfach so gut wie nichts ist, was nachgewiesen werden könnte (...)

Am nächsten Tag ist alles anders: Zusätzlich zu den bereits gewohnten vierzig Polizeischülern blockieren den Verhandlungssaal heute erstmals Schüler der lokalen HAK, deren Direktor angeblich ein guter Freund des Vize-Gerichtspräsidenten ist. Der Saal ist somit voll, die meisten Prozessbeobachter müssen nach Wien zurückfahren, ohne Einlass gefunden zu haben. Ein Angeklagter kommt mit einem natürlich ganz und gar unpassenden Vergleich: Zu brisanten Verhandlungen in Hitlers Volksgerichtshöfen wurden Busladungen mit SA-Leuten herangekarrt, um den Saal zu füllen und damit die eigentliche Öffentlichkeit auszuschließen (...)"

Auszug aus einem Bericht des Augustins von Gernot Neuwirth (Nummer 290, Seite 8-9)


Tokyo Freeters (47:36 Minuten)

In Japan verdingen sich mehr als vier Millionen junge Menschen als Gelegenheitsarbeiter - darunter viele mit abgeschlossenem Universitätsstudium. Sie werden als Freeters bezeichnet; der Begriff setzt sich aus dem Anfang des englischen Worts "freetime" und der Endung des deutschen Wortes "Arbeiter" zusammen.
Der Name kam in den 90er Jahren auf. Damals benannte er Aussteiger, die nicht - wie in Japan üblich - ihr ganzes Leben einer Firma widmen wollten, sondern sich lieber mit Minijobs durchschlugen, um mehr Zeit zur freien Verfügung zu haben.


Beide Filme sind sehr zu empfehlen - also die Chance nützen, solange sie online angeschaut werden können!

Sunnivah_