Montag, 27. September 2010

Bittere Schokolade

"Rund 25 € kostet das Stück. Das ist nicht so viel, also nahm der Kakaofarmer Amadou Bamba gleich zwei davon. Das erste Kaufobjekt trägt den Namen Abou, das zweite nennt sich Adama. Abou und Adama sind heute zehn Jahre alt. Seit sie vor drei Jahren von ihrem nunmehrigen Besitzer käuflich erworben wurden, schuften die beiden Jungen gemeinsam mit zwanzig anderen Kindern im Alter von acht bis vierzehn Jahren auf dessen Plantagen. Sieben Tage in der Woche, von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends, ohne Pause.
Von Hunden bewacht und gehetzt, mit Peitsche und Machete bedroht, rackern die Kinder dort in der glühenden Hitze..."
(Auszug aus dem Buch "Schwarzbuch Markenfirmen", Klaus Werner/Hans Weiss, S.145)

(Foto: Zarni / pixelio.de)

Nach Schätzungen von UNICEF und ILO arbeiten weltweit ca. 250 Millionen Kinder.

Schokolade essen wir besonders gern: 1,5 Millionen Tonnen im Jahr essen die EuropäerInnen - das sind 15 Milliarden Tafeln. Die Schokoladen-Industrie profitiert, Kinder in Afrika müssen jedoch darunter leiden. So erzählt der Film "The Dark Side of Chocolat" (am 6.Oktober auf "DasErste" um 23:30) des investigativen Journalisten und Fimemacher Miki Mistrati über seine Reise nach Westafrika und seine verdeckten Recherchen.
Miki Mistrati fand mit Hilfe Einheimischer geflohene Opfer, er ging auf die Plantagen, fand dort kleine Jungen bei der Arbeit, er traf einen Polizisten von Interpol, der soeben eine Razzia geleitet hatte, bei der 65 Kinder befreit wurden, die auf den Kakao-Plantagen als Sklaven arbeiten mussten.

In Europa wurde die Schokoladen-Industrie mit diesem Videomaterial zur Rede gestellt, doch keine der vielen Firmen wollte das Beweismaterial ansehen, oder dazu Stellung nehmen. Die Argumentation: Die Plantagen sind nicht in Besitz der Firmen, also sind diese nicht verantwortlich für Vorgänge auf den Plantagen.

Die beherrschenden Konzerne sind bekannte Markenfirmen (Aufzählung in der Reihenfolge ihres Süßwarenumsatzes):
  • Neslté (Schweiz) mit den Marken After Eight, Baci, KitKat, Lion, Nesquik, Nuts, Smarties etc....
  • Mars (USA) mit Balisto, Banjo, Bounty, M&Ms, Mars, Milky Way, Snickers, Twix etc...
  • Philip Morris / Kraft Jacobs Suchard (USA) mit Bensdorp, Daim, Finessa, Kaba, Milka, Mirabell Mozartkugeln, Suchard, Toblerone etc...
  • Ferrero (Italien) mit Duplo, Ferrero-Roché, Hanuta, "Kinder"-Produkte, Mon Chérie, Nutella, etc...
("Schwarzbuch Markenfirmen", Klaus Werner/Hans Weiss, S.148)

Der Faire Handel hat zum Beispiel am deutschen Markt mit weniger als 1 % bislang nur einen kleinen Anteil mit Produkten aus Kakao. Mehr über Schokolade und seine dunkle Seite sind auf der Seite von GEPA - The Fair Trade Company nachzulesen.


Sunnivah_

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