Donnerstag, 26. August 2010

Papier, Papier...

Passend zum baldigen Schulstart im September möchte ich etwas über Papier schreiben. Nicht nur über Schulhefte oder Schulbücher, auch über Druckerpapier, Klopapier, Zeitschriften, Zeitungen, Werbebroschüren, Taschentücher, Küchenrolle... überall: PAPIER
Papier ist ja grundsätzlich gut, oder? Das kann ich recyceln, das wird wiederverwertet und ist ein natürlicher Rohstoff. Bäume wachsen nach...

Grundsätzlich stimmt das ja, aber es kommt halt eben darauf an woher der Rohstoff stammt: ob aus zertifizierter Waldwirtschaft, aus Plantagen oder aus illegalem Raubbau - Papier ist ein globales Problem!


Wenn für unser Papier, das wir verwenden, Regenwälder und Lebensräume zerstört und Menschenrechte verletzt werden, müssen wir genauer darüber nachdenken und handeln. Papier- und Pappehersteller wie Aracruz besitzen tausende Hektar Monokulturen und über 90 % der gewonnenen Zellstoffe werden exportiert: An Konzerne wie Procter & Gamble, die damit dann Millionengewinne machen, unter anderem mit Klopapier und Taschentücher (Tempo, Pampers, Bounty...).

(Quelle: www.regenwald.org)

Durch den hohen Papierverbrauch in den Industrieländern werden Wälder abgeholzt, riesige Plantagen breiten sich aus, Wasser wird durch Zellstoffwerke verschmutzt und Menschen überall auf der Welt verlieren ihre Lebensgrundlage, weil ihnen Land für den Anbau von Lebensmitteln fehlt oder es keine Fische mehr in den Flüssen gibt.

Heffa Schücking gründete 1992 in Deutschland den Verein urgewald: Menschen aus verschiedenen Organisationen vertreten die Interessen anderer, die unter den Folgen globaler Umweltzerstörung leiden. Unter anderem ist das Thema Wald & Papier ein großes Thema von urgewald und unter dem Titel "Papier macht niemanden satt" wurde eine Broschüre zusammengestellt:
Deutschland verbraucht beispielsweise mehr Papier als Afrika und Lateinamerika zusammen, um genau zu sein: 224 kg pro Person und Jahr (ausgerechnet von der UNEP). Jeder 5. weltweit gefällte Baum landet in einer Zellstoffmühle. Papier und sein Faserrohstoff werden aus insgesamt 130 Ländern der Erde nach Deutschland eingeführt.

Durch Sojaanbau, Staudämme, Bergbau, Ölpalmplantagen (siehe meinen Blog unter Palmöl) etc... und eben auch durch Kahlschläge für Zellstoffe und Papier schrumpft der Wald immer weiter. Gerade Primärwälder (Urwälder) brauchen Jahrtausende für ihre Entstehung, sie können nicht gepflanzt werden - einmal abgeholzt, sind sie für immer verloren. Plantagen trocknen die Böden aus, in Monokulturen gibt es keine Artenvielfalt mehr und werden anfällig für Schädlinge, dadurch kommt es zum Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger belasten weiter die Böden und Gewässer - ein Teufelkreis.

Indonesien, Chile, Finnland, Russland, Spanien/Portugal, Südafrika, Kanada, Brasilien - überall auf der Welt wird Menschen ihr Lebensraum genommen, Flüsse verschmutzt und traditionelle Lebensweisen gehen verloren.
„Wer den chilenischen Wald nicht kennt, kennt diesen
Planeten nicht“. (Pablo Neru)

Was können wir tun?
Es ist wichtig unseren persönlichen Umgang mit Papier zu überdenken, im Büro, Haushalt, bei Hygieneartikel und im Verpackungsbereich.
Recyclingpapier verbraucht weniger Wasser und Energie bei der Herstellung. - Altpapier zu recyceln ist daher der erste Weg.

Blauer Engel: Altpapieranteil 100%







FSC bei Holzprodukten:






Es wird aber auch getrickst - zum Beispiel mit dem Aqua Pro Natural / Weltpark Tropenwald - Zeichen:

Das ist ein firmeneigenes Zeichen, welches damit wirbt keine Zellstoffe aus Tropen zu verwenden, dieser kann jedoch sowohl aus Russland, Skandinavien und Kanada kommen und aus Urwäldern und Forsten! Nicht täuschen lassen!


Greenpeace zu Recyclingpapier und FSC

Es gibt auch Alternativen:
Hanf, Kenaf, Kozo und Baumwolle eigenen sich für die Papierproduktion, eine Papierfabrik in Masachusetts stellt aus alten Jeans und Jeansabfällen hellblaues Papier her, Tang aus der Lagune von Venedig wird zu Algenpapier. Ob alternative Rohstoffe ökonomisch und umweltverträglich einsetzbar sind, muss sich zeigen. Solange es aber möglich sein wird die Wälder derart leicht zu vernichten und zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt anzubieten, wird es schwer sein, dass sich diese Alternativen durchsetzen.


Weitere Tipps:

• Nicht alles ausdrucken
• Doppelseitig kopieren, drucken und beschreiben
• Einseitig bedrucktes Papier als Notizpapier gebrauchen.
• Zeitungen und Zeitschriften gemeinsam nutzen.
• Papierprodukte durch langlebige ersetzen
• „Bitte keine Werbung!“-Aufkleber verringern die Werbeflut
(Aufkleber erhalten sie bei urgewald.)
• Kaufen Sie Papierprodukte in Recyclingqualität, fragen Sie in Geschäften immer wieder danach.

Eintrag in die Robinsonliste


Viel Spaß beim Recyceln und Überdenken des eigenen Papierkonsums,
Sunnivah_


--> es freut mich zu lesen, dass mein Beitrag auf konsumpf.de aufgegriffen wurde ;)

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