Montag, 30. August 2010

Staudamm in Brasilien wird gebaut!

Internationale Proteste gegen das gigantische Staudammprojekt Belo Monte in Brasilien waren allen Anschein nach umsonst:
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva unterzeichnete nun einen Vertrag mit dem Konsortium Norte Energía SA für ein 35-jähriges Nutzungsrecht. Am Fluss Xingu soll demnach bald mit dem Baubeginn für das 3.größten Wasserkraftwerk der Welt begonnen werden. 2015 soll es dann in Betrieb gehen.

Die Argumente der KritikerInnen:
  • 500 Quadratkilometer Regenwald sollen überflutet werden und damit folgt die Zerstörung des Lebensraumes vieler Arten, sowie Entwaldung;
  • ca. 16 000 bis 50 000 Menschen müssen vertrieben werden;
  • das Megaprojekt nutzt nur einigen Großkonzernen und wird für Aluminiumwerke verwendet - die Engerie komm nicht der örtlichen Bevölkerung zugute;
  • der wirtschaftliche Nutzen wird bezweifelt;
  • die abgelegene Gegenend des Amazonasgebietes treibt die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur und die notwendige Logistik in utopische Höhen.
Ein genauer Bericht über die Hintergründe und Folgen, warum diese Projekt kaum mehr zu stoppen ist und warum europäische Länder und Banken damit verstrickt sind, ist unter www.amazonas-magazin.de zu lesen.
Laut WWF gäbe es für Brasilien auch Alternativen zu diesen Staudamm.

Video auf YouTube "DerXingu - unsere Lebensader"


(Quelle: amerika21.de)

Eine traurige Nachricht....
Sunnivah_

Donnerstag, 26. August 2010

Papier, Papier...

Passend zum baldigen Schulstart im September möchte ich etwas über Papier schreiben. Nicht nur über Schulhefte oder Schulbücher, auch über Druckerpapier, Klopapier, Zeitschriften, Zeitungen, Werbebroschüren, Taschentücher, Küchenrolle... überall: PAPIER
Papier ist ja grundsätzlich gut, oder? Das kann ich recyceln, das wird wiederverwertet und ist ein natürlicher Rohstoff. Bäume wachsen nach...

Grundsätzlich stimmt das ja, aber es kommt halt eben darauf an woher der Rohstoff stammt: ob aus zertifizierter Waldwirtschaft, aus Plantagen oder aus illegalem Raubbau - Papier ist ein globales Problem!


Wenn für unser Papier, das wir verwenden, Regenwälder und Lebensräume zerstört und Menschenrechte verletzt werden, müssen wir genauer darüber nachdenken und handeln. Papier- und Pappehersteller wie Aracruz besitzen tausende Hektar Monokulturen und über 90 % der gewonnenen Zellstoffe werden exportiert: An Konzerne wie Procter & Gamble, die damit dann Millionengewinne machen, unter anderem mit Klopapier und Taschentücher (Tempo, Pampers, Bounty...).

(Quelle: www.regenwald.org)

Durch den hohen Papierverbrauch in den Industrieländern werden Wälder abgeholzt, riesige Plantagen breiten sich aus, Wasser wird durch Zellstoffwerke verschmutzt und Menschen überall auf der Welt verlieren ihre Lebensgrundlage, weil ihnen Land für den Anbau von Lebensmitteln fehlt oder es keine Fische mehr in den Flüssen gibt.

Heffa Schücking gründete 1992 in Deutschland den Verein urgewald: Menschen aus verschiedenen Organisationen vertreten die Interessen anderer, die unter den Folgen globaler Umweltzerstörung leiden. Unter anderem ist das Thema Wald & Papier ein großes Thema von urgewald und unter dem Titel "Papier macht niemanden satt" wurde eine Broschüre zusammengestellt:
Deutschland verbraucht beispielsweise mehr Papier als Afrika und Lateinamerika zusammen, um genau zu sein: 224 kg pro Person und Jahr (ausgerechnet von der UNEP). Jeder 5. weltweit gefällte Baum landet in einer Zellstoffmühle. Papier und sein Faserrohstoff werden aus insgesamt 130 Ländern der Erde nach Deutschland eingeführt.

Durch Sojaanbau, Staudämme, Bergbau, Ölpalmplantagen (siehe meinen Blog unter Palmöl) etc... und eben auch durch Kahlschläge für Zellstoffe und Papier schrumpft der Wald immer weiter. Gerade Primärwälder (Urwälder) brauchen Jahrtausende für ihre Entstehung, sie können nicht gepflanzt werden - einmal abgeholzt, sind sie für immer verloren. Plantagen trocknen die Böden aus, in Monokulturen gibt es keine Artenvielfalt mehr und werden anfällig für Schädlinge, dadurch kommt es zum Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger belasten weiter die Böden und Gewässer - ein Teufelkreis.

Indonesien, Chile, Finnland, Russland, Spanien/Portugal, Südafrika, Kanada, Brasilien - überall auf der Welt wird Menschen ihr Lebensraum genommen, Flüsse verschmutzt und traditionelle Lebensweisen gehen verloren.
„Wer den chilenischen Wald nicht kennt, kennt diesen
Planeten nicht“. (Pablo Neru)

Was können wir tun?
Es ist wichtig unseren persönlichen Umgang mit Papier zu überdenken, im Büro, Haushalt, bei Hygieneartikel und im Verpackungsbereich.
Recyclingpapier verbraucht weniger Wasser und Energie bei der Herstellung. - Altpapier zu recyceln ist daher der erste Weg.

Blauer Engel: Altpapieranteil 100%







FSC bei Holzprodukten:






Es wird aber auch getrickst - zum Beispiel mit dem Aqua Pro Natural / Weltpark Tropenwald - Zeichen:

Das ist ein firmeneigenes Zeichen, welches damit wirbt keine Zellstoffe aus Tropen zu verwenden, dieser kann jedoch sowohl aus Russland, Skandinavien und Kanada kommen und aus Urwäldern und Forsten! Nicht täuschen lassen!


Greenpeace zu Recyclingpapier und FSC

Es gibt auch Alternativen:
Hanf, Kenaf, Kozo und Baumwolle eigenen sich für die Papierproduktion, eine Papierfabrik in Masachusetts stellt aus alten Jeans und Jeansabfällen hellblaues Papier her, Tang aus der Lagune von Venedig wird zu Algenpapier. Ob alternative Rohstoffe ökonomisch und umweltverträglich einsetzbar sind, muss sich zeigen. Solange es aber möglich sein wird die Wälder derart leicht zu vernichten und zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt anzubieten, wird es schwer sein, dass sich diese Alternativen durchsetzen.


Weitere Tipps:

• Nicht alles ausdrucken
• Doppelseitig kopieren, drucken und beschreiben
• Einseitig bedrucktes Papier als Notizpapier gebrauchen.
• Zeitungen und Zeitschriften gemeinsam nutzen.
• Papierprodukte durch langlebige ersetzen
• „Bitte keine Werbung!“-Aufkleber verringern die Werbeflut
(Aufkleber erhalten sie bei urgewald.)
• Kaufen Sie Papierprodukte in Recyclingqualität, fragen Sie in Geschäften immer wieder danach.

Eintrag in die Robinsonliste


Viel Spaß beim Recyceln und Überdenken des eigenen Papierkonsums,
Sunnivah_


--> es freut mich zu lesen, dass mein Beitrag auf konsumpf.de aufgegriffen wurde ;)

Montag, 23. August 2010

Hauptsache billig!

Das Billigprodukte aus Discountern (aber auch von Markenlabels) mit schlechten Arbeitsbedingungen und geringen Lohn in den Produktionsländern einhergehen, weiß man schon lange.
Auf Youtube gibt es jetzt einen interessanten Beitrag des SWR in 5 Teilen.
"Hauptsache billig" - Teil 3
"Haupstache billig" - Teil 4
"Hauptsache billig" - Teil 5

"Spanisches Gemüse" (Quelle: Greenpeace)


Einkaufen ist immer eine Gratwanderung. Wir wissen um diese Umstände und trotzdem bleibt es uns nicht aus, selbst manchmal nach diesen Produkten zu greifen. Jedoch kann man bewusster einkaufen: Bei Lebensmitteln ist es einfacher: regional und saisonal einkaufen; ansonsten sollte man sich fragen, ob wir wirklich alles brauchen, was wir uns gerade wünschen oder im Werbeprospekt entdeckt haben...
- und vor allem kann man immer kritisch nachfragen, von wo die Produkte kommen, ob Arbeitsgesetzte eingehalten werden, nach Alternativen suchen etc...
Wir sind KonsumentInnen, aber wir müssen nicht alles blind hinnehmen, wie es uns vorgelegt wird!

Alles Liebe, Sunnivah_

Donnerstag, 12. August 2010

Neues Biosiegel

Seit 1. Juli 2010 gibt es ein neues Biosiegel für alle Bioprodukte die in EU-Mitgliedsstaaten hergestellt werden:

Euro-Blatt "Natur und EU"

Wer es noch nie gesehen hat: es gibt einen Übergangszeitraum von 2 Jahren. Weiterhin dürfen auch noch andere Siegel (mit teilweise genaueren Bestimmungen) bestehen bleiben und nebeneinander angeführt werden.

Wozu verpflichtet dieses Siegel und was bedeutet es für KonsumentInnen?
  • Mindestens 95% der Inhaltsstoffe landwirtschaftlicher Herkunft wurden biologisch produziert,
  • keine gentechnisch veränderten Zutaten, Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten, Düngemittel und andere Pflanzenschutzmittel dürfen nur verwendet werden, wenn sie mit den Grundsätzen der Bioproduktion vereinbar sind,
  • artgerechte Tierhaltung
  • die Erzeugnisse stimmen mit den Regeln des offiziellen Kontrollprogramms überein,
  • das Produkt kommt direkt vom Erzeuger oder Verarbeiter in einer versiegelten Verpackung,
  • das Erzeugnis trägt den Namen des Erzeugers, des Verarbeiters oder Großhändlers sowie den Namen oder den Kontrollcode der Kontrollstelle
(Quelle: http://www.lebensmittelnet.at/article/articleview/83670/1/1461)

EU-Webseite zur biologischen Landwirtschaft
Fragen und Antworten zur neuen Verordnung
Welche Probleme bleiben bestehen?

Was bleibt weiterhin versteckt?
  • Bio-Produktion heißt nicht ökologisch erzeugt: der Wasserverbrauch spielt beispielsweise keine Rolle bei den Bio-Standards,
  • irreführunde Bewerbung der Produkte bleibt bestehen (Bio-Limonade, die keine Frucht enthält, sondern deren Geschmack mit Aromastoffen aus Papierabfällen und Schimmelpilzen erzeugt wird (Foodwatch), überzuckerte Kinderprodukte...)
BIO bedeutet nicht automatisch gesund und auch nicht Fair Trade. Gewisse Siegeln erleichtern KonsumentInnen das Einkaufen, aber sie sollen nicht dazu führen, weniger kritisch zu werden. Im Zweifelsfall hilft es immer genau nachzufragen, sich über aktuelle Bestimmungen zu informieren und weiterhin Forderungen zu stellen.

Gesetze können geändert werden, Bestimmungen aufgeweicht...

Alles Liebe, Sunnivah_

Montag, 2. August 2010

Bettelverbot in Wien

Das Gesetz gegen "gewerbsmäßiges Betteln in Wien" wurde vor einigen Monaten von Seiten der SPÖ , ÖVP und FPÖ beschossen, seit Ende Juni kann es zu Strafen kommen (bis zu 700 € !).
Damit ist klar, dass dieses Gesetz auch allgemein dazu dient BettlerInnen weg von den Straßen zu bringen... aus den Augen, aus dem Sinn sozusagen. Die FPÖ wäre sowieso für ein generelles Bettelverbot.
Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses, dass es dabei auch Menschen gibt, denen es nicht so gut geht, will man schnell vergessen. Wer will sich schon nach einem erfolgreichen Shoppingtag auf der Mariahilferstraße von BettlerInnen ein schleches Gewissen machen lassen?
Die Ausrede, dass es eh alle gewerbsmäßige BettlerInnen sind und man dadurch nur die sogenannten "Ostbanden" und die Mafia unterstützt, macht es da schon wieder leichter, einfach an diesen Menschen vobei zu gehen...

Aber es bleibt eine Ausrede, denn laut Polizei und wissenschaftlichen Studien gibt es keine Beweise für kriminelle Hintermänner.

Im Parlament stimmten die Grünen gegen das Bettelverbot, Flashmobs wurden organisiert, diverse soziale Organisationen sprachen sich dagegen aus und warnen vor einer Verletzung der Grundrechte - das Gesetz wurde trotzdem beschlossen.

Was sich die Wiener Wirtschsftskammer jetzt leistet steigert das ganz noch:
Auf deren Wunsch hin, sollen in Wiener Geschäften Plakate - gut sichtbar für die KundInnen - aufgehängt werden, worauf man hingewiesen wird, BettlerInnen kein Geld zu geben:

(Quelle: Bettellobby Wien)

Unter dem Motto "Ich will nicht betteln, aber dürfen muss ich" steht die Homepage der Wiener Bettellobby:
Hier ein Bericht der Wiener Bettellobby, sowie ein Aufruf und Vorlage zu Protestbriefen!


Wer bettelt schon gerne, wenn es nicht wirklich notwendig wäre und lässt sich von PassantInnen beschimpfen oder verächtlich anschauen... und wie gesagt: Betteln ist ein Grundrecht und korrupte Ostbandenchefs oder die Mafia als Hintermänner eine Legende, leidtragendeR an dem ganzen bleibt der/die BettlerIn.

Sunnivah_